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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1927-01-01 · XVIII. (1927) · page 184

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
XVIII. (1927)
Date
1927-01-01
Page
– (sequence 184)
Language
German
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145 dabei die gedrückte Lage, in der die Jaden damals lebten. Das Bildungsbedürfnis und der ganze Knlturzusfcand eines Volkes richtet sich stets nach seiner äusseren Lage. Beichtum und Freiheit werden sich günstig im Schulwesen geltend machen, grosse Armut und Entrechtung werden allmählich jede Geistestätigkeit, die sieh über die Sorge für das alltägliche Brot hinaus erstreckt, ertöten. Wir dürfen also erwarten, dass im frühen Mittelalter, wo man die Jaden zwar oft verfolgte und verjagte, sie aber doch immer wieder als Glieder des Volks betrachtete, der kulturelle Unterschied von den Wirtsvölkern sich nicht so stark geltend machte wie za Beginn der Neuzeit. Erst als man künstliche Scheidewände aufriebtete, die Juden in Ghettomauern einschloss, ihnen die Ausübung eines Handwerks verbot, da trat nach und nach eine Entfremdung ein, die so stark wurde, dass, als nach mehreren 100 Jahren die Eman~ zipation die Tore der Ghetti wieder öffnete, beide Teile sich ganz verschieden entwickelt hatten und ihnen eine Annäherung annatürlich erschien1). Zu der Zeit, aus der die ersten verbürgten Nachrichten über eine jüdische Siedlung in Frankfurt stammen, ging es den Jaden in Deutschland verhältnismässig gut. Wohl drückte sie manche Sondersteuer, wohl waren sie in den Augen mancher Fürsten weiter nichts als eine gute Einnahmequelle, aber sie hatten Freizügigkeit, waren noch nicht überall in Judengassen eingesperrt. In Frankfurt wohnten sie damals in der Nähe des Domes in gutem Einvernehmen mit ihren christlichen Mitbürgern. Wie so oft, kam es aber auch hier aus kleinen, uns unbekannten Anlässen zu blutigen Schlächtereien. Im Jahre 1241 fand die sogenannte ״erste Judenschlacht“ statt, bei der ein grosser Teil der Gemeinde sein Leben einbüsste. *) Charakteristisch für die Zustände auf jüdischer Seite ist folgende Stelle aus der Predigtsammlung ״Laehme Toda“ des Frankfurter Rabbiners Hirsch Horowitz: □הכת החדש בדור הלז שבוחריןללמד את בניהם דווקא אות אנשים שהולכין בדרך רע אבל כשרואין באיש שהוא בקיא בהחכמות רק שהוא מתנהג בדרך הטוב אומרים עליו שהוא מחוסר ידיעה ולא למד כל צרכו. ״Die neue Sekte unserer Zeit wählt für ihre Kinder nur solche Leute als Lehrer, die einen schlechten (irreligiösen) Lebenswandel führen. Wenn man aber einen Mann sieht, der in den Wissenschaften bewandert, dabei aber noch fromm ist, so behauptet man von ihm, er sei unwissend und nur halb gebildet,“ (S. 125) Über die Literatur für und gegen die Juden von christlicher Seite vergl. Grätz, Geschichte der Juden Band 11, Note 4. 30 Jahrbuch der J. L• G XVIII,

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