Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XVIII. (1927)
- Date
- 1927-01-01
- Page
- – (sequence 183)
- Language
- German
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144 von mehreren Jahrhunderten in einer Stadt die Entwicklung lückenlos verfolgen lassen wird. Wir werden Zeiten finden, über die wir sehr gut unterrichtet, aber auch Zeiten, aus denen uns keine Nachrichten erhalten sind. Solche Lücken müssen wir nach Möglichkeit von anderer Seite her zu ergänzen suchen. Im allgemeinen unterschied sich nämlich an den verschiedenen Orten Deutschlands das Bildungswesen der Juden wenig voneinander. Was den Zeitraum anbetrifft, der im Rahmen dieser Arbeit untersucht werden soll, so ist der Anfangspunkt gegeben durch das erste Auftauchen der jüdischen Gemeinde in Frankfurt a. M. im 13. Jahrhundert; der Endpunkt ist schon schwerer zu bestimmen. Überblicken wir die jüdische Geschichte der Neuzeit, so bemerkeu wir einen grossen Einschnitt in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts: die Juden-Emanzipation, beginnend mit dem Wirken Moses Mendelssohns. Dieser grosse Wendepunkt sei auch das Ziel dieser Arbeit. Neben dem, in der zu betrachtenden Zeitspanne lediglich religiös orientierten, Schul- und Erziehungswesen wird noch zu untersuchen sein, wie weit die, Juden damals auch profane Kenntnisse besassen, bezw. auf welche Weise sie sich diese aneigueten. Hierbei wird einmal der Bildungsgang der Ärzte uns manchen Auf- Schluss geben, dann aber auch die aus dieser Periode stammende hebräische und jüdisch-deutsche Profan-Literatur. — Schriften nur pädagogischen Inhalts kenuen wir aus dieser Epoche keine. Wir finden jedoch gelegentlich in Testamenten, Ritual- und Moralwerken kürzere oder längere Ausführungen über Jugendunterricht und Erziehung, auch in den Gemeindeprotokollbüchern sind derartige Berichte erhalten. Ferner bieten die zahlreichen rabbinischen Gutachtensammlungen manches Material. Ausserjüdische Quellen kommen eigentlich nur für die Ausbildung der Ärzte in Betracht. Gelegentlich boten auch die Judenakten des Frankfurter Stadtarchivs willkommene Ergänzungen. Ein gutes Bild der Mannigfaltigkeit der Quellen bieten Güdemannns ״Quellenschriften“. II. Die ersten Nachrichten. Man ist gerne dazu bereit, das Erziehungswesen des Ghetto als minderwertig oder rückständig zu bezeichnen. Man vergisst