Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XVIII. (1927)
- Date
- 1927-01-01
- Page
- – (sequence 155)
- Language
- German
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m gebildeten oder wenig gebildeten Leuten, die oft das geringfügigste Vorkommnis zu einer rührigen Agitation unter den Gemeindeangehörigen ausbeuten, um den Lehrer zu Fall zu bringen. Dabei spielen Motive persönlicher Natur nicht selten die Hauptrolle. Seitens der Grossh. Provinzialrabbiuate ist unseres Erachtens mit Recht darauf!Angewiesen worden, dass die Lehrer, um nach Ablauf ihrer Gontraktzeit nicht entlassen zu werden, oft ihr Amt gegen ihre bessere Überzeugung versehen, um den Wünschen der Vorstände gerecht zu werden.“ Provinzialdirektor Rothe in Mainz (der spätere Staatsminister) befürwortet den Antrag nicht, da sich der Staat in die internen Verhältnisse der jüd. Gemeinden nicht einmischen solle. Der befragte Rabbiner Dr. Salfeld in Mainz unterstützt im Gegensatz zu seinem Darmstädter Kollegen wohl den Antrag, meint jedoch, dass man die ganze Frage mit der Organisation der jüd. Gemeinden in Hessen lösen sollte. Tiefblicken lässt folgende Fussbemerkung des Provinzialdirektors: ״Dass das Rabbinat sich über die Qualität und das Material der bei einer grösseren Anzahl von israel. Cultusgemeinden als ״sogenannte Lehrer“ angestellten Persönlichkeiten nicht so offen und rückhaltlos äussert, wie es dies seiner Kenntnis der herrschenden Verhältnisse nach könnte, ist ebenso entschuldbar, wie das Schweigen desselben darüber, wie es in einzelnen jüd. Reiigion8gemeinden gelegentlich des Gottesdienstes und des Religionsunterricbts zugeht“. Alles in allem begutachteten von achtzehn befragten Kreisräten vierzehn die Zweckmässigkeit des Antrags, während nur vier derselben aus teils rechtlichen, teils praktischen Gründen sie bezweifeln. Auffallenderweise erzielte die Anregung trotz der überwältigenden Mehrheit der zustimmenden Kreisbehördea keinen praktischen Erfolg. Vielleicht dürfte daran der kurz nach der Enquete eingetretene Regierungswechsel schuld gewesen sein, der den Provinzialdirektor von Mainz, der bei der Umfrage aus rechtlichen Gründen gegen den Antrag eingetreten war, an die Spitze des Ministeriums brachte. So blieb es wieder bei den bisherigen Zuständen. Wie ein Scherz mutet nach allem Vorausgegangenen ein Erlass des neuen Ministeriums vom 17. X. 1898 an sämtliche Kreisämter an, um die Zahl der israel. schulpflichtigen Kinder in allen Gemeinden des Landes festzustellen; und zwar seien die bez. Ermittlungen für die drei letzten Jahre