Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XVIII. (1927)
- Date
- 1927-01-01
- Page
- – (sequence 146)
- Language
- German
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107 Unterdessen hatte sich im Jahre 1890 in Mainz ein Landesverein israel. Lehrer im Grossherzogtum Hessen gebildet, der am 7. Januar 1891 eine Eingabe um Organisation des israel. Religions- Schulwesens an die Regierung richtete (unterzeichnet von Dr. Saalfeld, Grossh. Rabbiner in Mainz, Lehrer L. Wertheimer- Heldenbergen und Lehrer K. Marx-Alsheim). Gegenstand derselben bilden wieder die alten Klagen, keine Anstellung ungeprüfter Lehrer, Beseitigung des Kündigungsrechts der Vorstände, Bildung von Schulsprengeln (zur Versorgung leistungsschwacher Gemeinden) und Schaffung einer Centralkasse zur Subventionierung armer Gemeinden sowie zur Lehrerbesoldung, Pensionierung und Relikten Versorgung. In Behandlung der Angelegenheit erliess das Ministerium Finger am 31. Januar 1891 eine Aufforderung an alle Kreisämter um Aufnahme einer genauen Statistik. Namentlich handelte es sich um folgende drei Punkte: 1. Aufstellung einer Tabelle über die in allen Kreisen bestehenden Zustände (Schülerzahl, ob Lehrer vorhanden, ob geprüft und wo?, Gehalt usw.) vorigen Jahrhunderts, ein treffliches von Dr. Wolf aus Pfungstadt geleitetes Institut mit mehreren Lehrkräften. Ebenso war die in Pfungstadt von Dr. Joel begründete, nach dessen Tode von Dr. Barnass geleitete Anstalt weit über die Grenzen Hessens hinaus rühmliehst bekannt. Es war eine im besten Sinne geleitete höhere Schule, die namentlich von begabten Kindern ans Hessen, sowie aus dem Ausland (England, Frankreich und Russland) zahlreich besucht wurde. Bei dem damaligen Mangel an höheren Schulen in Hessen schickte man mit Vorliebe die Knaben dahin, wo sie sich treffliche Kenntnisse in allen Disziplinen und auch im Jüdischen aneigneten. An dem Institut unterrichteten gewöhnlich sechs Lehrkräfte (Volks- Schullehrer und Akademiker). Nach dem Tode des letzten Direktors ging die Anstalt ein. Dagegen batte das Ministerium Finger in den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts an den Simultanschnlen des Landes einzelne jüdische Lehrer angestellt. Man richtete sich gewöhnlich nach der Prozentzahl der jud. Volksschiiler. Deshalb erfolgte die Anstellung zuerst in geringer Zahl und nur in den Städten. Z. Zeit wirken an den Volksschulen im Freistaat Hessen hei 976 jüdischen Volksschulkindern (nach der amtlichen Statistik vom J. 1925) 23 jüd. Lehrkräfte (darunter 16 Lehrer und 7 Lehrerinnen). Diese sind an den Volksschulen bzw. Fortbildungsschulen in Darmstadt (3). Glessen (3), Worms (2), Mainz (2), Offenbach (3), Neu-Isenburg (2), sowie in den Landorten Michelstadt, Alsbach, Büdingen, Sprendlingen (bei Offenbach), Ober-Ingelheim, Grebenau, Pfungstadt und Osthofen tätig.