Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XVIII. (1927)
- Date
- 1927-01-01
- Page
- – (sequence 145)
- Language
- German
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löd der Judenkinder durch benachbarte Judenlehrer herbeizuführen, aber die Bemühungen seien an der Passivität, nachbarlichen Eifersucht und geringen Opferwilligkeit der Interessenten gescheitert. Unter diesen Umständen bittet die Kreisschulkommission um gnädige Weisung, ob rubr. Frage auf sich beruhen soll. . Noch drastischer wird die Tragik im jüd. Schulwesen beleuchtet durch den Bericht der Kreisschulkommission Giessen vom II. Hai 1887, worin diese feststellt, dass in neun jüd. Gemeinden des Kreises (Beuern, Birklar, Burkhardsfelden, Ettingshausen, Heuchelheim, Leihgestern, Lindenstruth, Steinbach, Watzenborn und Steinburg) die jüdischen Kinder nur an dem christlichen Religionsunterricht teilnehmen. (!) In anderen Gemeinden nehmen sie am christlichen und israel. Unterricht teil. Gegen diesen gemischten Unterricht haben die Kreissehulkommissionen schwere Bedenken1), sowohl wegen der christl. als auch der jüd. Kinder, wenn er auch der Toleranz Vorschub leistet. Aber jedes Kind 8011 — so meint die Sehulbehörde — gesetzlich in seiner Konfession religiös unterrichtet werden. Die Kreisschulkommission fragt deshalb beim Ministerium au, ob eine anderweitige Einrichtung in der Erteilung des israel. Religionsunterrichts getroffen oder es vorläufig, durch die Sachlage geboten, bei dem dermaligen Zustände sein Bewenden haben solle. Weich beschämendes Gefühl erfüllt uns noch heute, dass die christliche Schulbehörde gerade mit Rücksicht auf die jüdischen Kinder schwere Bedenken über solche Zustände äussert, während die jüdischen Eltern der religiösen Entfremdung ihrer Kinder untätig Vorschub leisten.2) ף Vermutlich mehr als die Eltern! *) Die wenigen jüdischen Volksschulen des Landes waren inzwischen aufgelöst worden, und die jüd. Kinder besuchten grösstenteils die Simultanschule. Nur in Mainz wurde im Herbst 1859 von Rabbiner Dr. Lehmann eine jüdische Schule (als höhere Schule mit Unterricht in fremden Sprachen) gegründet, die heute noch besteht, und an welcher gegenwärtig unter der Leitung von Rabb. Dr. Bondi drei Volksschnllehrer und zwei Lehrerinnen wirken. Sie bildet bei erfolgreicher Entwicklung eine wertvolle Einrichtung der dortigen Israel. Religionsgesellschaft. Aueh in Biblis existierte ca. 30 Jahre bis in die letzten Jahre des