Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XVIII. (1927)
- Date
- 1927-01-01
- Page
- – (sequence 138)
- Language
- German
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99 neurs macht, oder weil man einen wohlfeileren zu engagieren gedenkt, oder weil man die Stelle einige Jahre unbesetzt lassen will, um seih Geld zu sparen. 4) In vielen Gemeinden achten die Vorsteher aus Unwissenheit und Irrtum weit mehr auf das leidige Vorsingen veralteter, zum Theil frivoler Gesänge in den Synagogen, als auf einen guten Religionsunterricht in der Schule. 5) Von den circa 300 israel. Gemeinden machen kaum 20 die rühmliche Ausnahme, einen Religionslehrer definitiv angestellt zu haben, sie engagieren oder ״dingen“ ihre Religionslebrer gleich Knechten auf 1,-2 oder 3 Jahre und entlassen sie wieder nach Belieben. Zwar bestimmt eine Grossh. Verordnung, dass ein Lehrer nicht auf unter 3 Jahren aufgenommen werden dürfe, allein die Gemeinden wissen sie zu umgehen. 6) Durch den öfteren Lehrerwechsel in einer Gemeinde wird der Lehrerstand überhaupt in den Augen der Kinder herabgewürdigt, da sie keine Achtung gegen Personen empfinden können, die nur der Spielball der Ungebildeten sind. Ordentliche Lehrer müssen die Stelle unfähigen Subjekten überlassen, die als Handwerksburschen aus anderen deutschen Staaten hereinkommen und als verkappte Schneider-, Schuhmacher- und Metzgergesellen im Grossherzogtum Hessen gemächlich das Schulhandwerk ergreifen. 7) Das jüdische Lehreramt bot bisher die einzige Anstellung, zu welcher der Israelit, der nicht das Handwerk oder den Handel betreiben wollte, der vielmehr einen geistigen Beruf in sich fühlte, gelangen konnte. Hätte die vorige Staatsregierung durch definitive Anstellung der Lehrer und Organisation des Schulwesens dieses Amt ehrbar gemacht, so wären jetzt einige Hundert Jünglinge des Grossherzogtums, die jetzt Handel treiben, Erzieher und Bildner der Jugend geworden. Statt dessen haben sogar einige tüchtige junge Männer, welche im Seminar ihre Ausbildung erhalten haben — des Kampfes mit den Landgemeinden müde — wieder den Merkurstab, den Handel ergriffen. 8) Aus ausländischen Staaten, sogar aus Polen, Russland, Holland kommen des Lehramts ganz Unkundige, die sogar nicht deutsch sprechen können, ins Land herein und werden von unwissenden Vorstehern als Lehrer engagiert.