Mannheim
Compact Memory

Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1927-01-01 · XVIII. (1927) · page 125

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
XVIII. (1927)
Date
1927-01-01
Page
– (sequence 125)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3486266-3486305--6930-3493306
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

$6 seminaristisch gebildet, 73 waren meistens von Rabbinern oder Commissionen oder Vom Kirchenrat Engel in Giessen geprüft oder hatten nur Präparandenschnlen besucht, und 23 amtierten ohne jede Prüfung. 104 jüd. Gemeinden waren überhaupt ohne Lehrer. Die Besoldungsstatistik ergab als Höchstgehalt 3000 M. (Religionsgemeinde Darmstadt), sonst in den allermeisten Fällen 5—600 M. Im einzelnen sind folgende Gemeinden, bezw. Gehälter bemerkenswert: Alsbach (200 M. Gehalt), Holzheim-Grüningen (Oberhessen) mit 12 Schulkindern (150 M. Gehalt), Staden and Stammheim (Oberhessen) mit 9 Schulkindern (200 M. Gehalt), Birkenau (15 Schulkinder, 170 M. Gehalt), Heussenstamm (200 M.), Kirtorf (171 M.), Obbornhofen mit Wobnbach und Bellersheim (20 Schalkinder, 200 M. Gehalt), Wachenheim (Rheinhessen) (96 M. and freie Wohnung). In Lauterbach und Maar werden 10 Kinder von Lehrer Aberbach in Romrod gegen ein Entgelt von 50 Pfg. pro Kind unterrichtet. (!) In Schlitz (11 schulpflichtige Kinder) erteilen die Eltern den Religionsunterricht selbst. In sechs Jahrzehnten, also in einem Zeitraum, der den Volksschullehrern unleugbare Fortschritte brachte, verharren die israel. Religions lebrer im grössten Elend, und ihre Lage zeigt das Bild erschütternder Trostlosigkeit. In richtiger Erkenntnis der Lage und ihrer Ursachen bemerkt der Kreisrat in Gross-Geraa i. J. 1841 bei Einsendung der Statistik im dortigen Kreise an den Oberschulrat: ״Ich halte mich verpflichtet, bei dieser Gelegenheit zu bemerken, dass der Religionsunterricht in den Schalen der Israeliten niemals gedeihliche Resultate herbeifuhren wird, so lange noch 1) die Lehrer sich mit dem Wandeltisch begnügen müssen, welcher die beste Gelegenheit ist, den Lehrer, mit welchem der Einzelne nicht zufrieden sein will, so lange za schikanieren, bis er gerne selbst fortgeht. 2) die Judengemeinden nicht gezwungen werden können, einen Lehrer anzunehmen und befriedigend zu bezahlen. 3) die Eltern, welche ihre Kinder nicht in die Religionsschule schicken, nicht gestraft werden dürfen;“ Das war es eben. Dass ein solches Elend bei den jüdischen Gemeinden und ein solcher Terrorismus gegenüber ihren Cultusbeamten bis za Anfang des 20. Jahrhunderts, also in einer Zeit gesteigerten Fortschritts auf allen öffentlichen Gebieten bestehen konnte, erklärt sich aus der Haltung der hess. Regierung gegen-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.