Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XVIII. (1927)
- Date
- 1927-01-01
- Page
- – (sequence 124)
- Language
- German
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85 beschwert. In der amtlichen Untersuchung wird festgestellt, dass die damalige Seelenzahl der jüd. Gemeinde in Dannstadt mit Bessungen (i. J. 1840) 577 betrug und 59 Schulkinder enthielt, die in wöchentlich 21 Stunden unterrichtet wurden. Uber Mannheimer berichten Kreis- und Schulbehörde, dass er die Lehrerstelle zh vollkommenster Zufriedenheit bekleide und sich dabei eines völlig, tadellosen Wandels befleissige. Die von einigen Vorstandsmitgliedern gegen ihn erhobene Beschwerde ״verdanke wohl denselben Motiven ihren Ursprung, welche den Vorstand schon früher veranlasst hatten, den braven Lehrer M. bei mir mit den gehässigsten aber völlig grundlosen Beschwerden zu verfolgen.“ Ein beredtes Zeugnis für die Lage des jüd. Lehrers und dessen Verhältnis zum Vorstand liefert die Statistik über Reichelsbeim i. 0. Dort wirkte im Jahre; 1841 als jüd. Elementarlehrer Moritz Vogel aus Niedersaulheim, im Seminar zu Friedberg gebildet, vom Schulrat in Darmstadt geprüft und laut Entschliessnng der Behörde als Elementarlehrer angestellt. Er erteilte dort 40 Schulkindern täglich 6 Stunden Unterricht. Unter der Rubrik: Fähigkeit und Leistung berichtet die Statistik: ״Der Judenvorstand zn R. ist mit dem Unterricht des Lehrers nicht zufrieden.“ Jedoch bemerkt der Kreisrat zu Erbach am Schluss: ״Die Angabe des Judenvor- Standes, mit dem Unterricht des Lehrers nicht zufrieden zn sein, scheint mir mehr Schikane als Wahrheit zu seyn.“ — ' Der bestbesoldete jüd. Lehrer scheint damals (1840) der Lehrer in Bingen, Maier Lebrecht aus Memmelsdorf (Bayern), gewesen zn sein (300 fl. nebst freier Wohnung und Heizung). — Die Statistik besagt ferner, dass die meisten jüd. Lehrer in Hessen Nichthessen waren und namentlich aus Bayern stammten, einzelne auch ans Kurhessen und Preussen. Nichts könnte jedoch die tief traurige Lage des jüd. Lehrers in Hessen im 19. Jahrhundert sowie den Mangel jeden Fortschritts in den Zeiten von 1840-1900 — also in 60 Jahren י— drastischer beleuchten* als der Vergleich der letzten Statistik mit derjenigen vom Jahre 1891, die auf Betreibe« des Ministeriums Finger von allen Kreisämtern behufs Organisation des Israel. Religionsunterrichts ab 31; I. 1891 unternommen wurde. Diese ergab die Tatsache, dass im damaligen Grossherzogtum Hessen 154 jüd. Lehrer (die Rabbiner mit eingerechnet) tätig waren. Davon waren 5 8