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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1927-01-01 · XVIII. (1927) · page 60

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
XVIII. (1927)
Date
1927-01-01
Page
– (sequence 60)
Language
German
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IRI
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21 äri Gott. Der Orientalist Jeremias sagt beim Vergleich mit der babylonischen Gesetzgebung zum Ruhme der Thora: ״Die Idee der Übertretung als einer Verschuldung gegen Gott gibt dem Gesetze ein ganz neues Gepräge und befreit es von der Schranke des menschlichen Urteils. Gott ist in dem Gesetz als gebietender Wille.“ Nach der erwähnten talmudischen Auffassung zielt, wie wir gesehen haben, die Statuierung dieser vier Kapitalverbrechen auf die Rechtsprechung, und dennoch sind sie weit entfernt, lediglich Polizei-Gesetze zu sein oder kriminalistischen Charakter zu tragen. Der enge Zusammenhang mit dem zehnten Gebot, das die Begierde und Leidenschaft als die Quelle aller Verbrechen bekämpft, beweist, dass sie dem religiösen und sittlichen Antrieb des einzelnen, sich zur Sonnenhöhe der vollendeten Sittlichkeit zu erheben, dienen sollen. Und so liegt der Zweck und der Wert der Gebote der zweiten Tafel nach zwei Seiten hin beschlossen. Sie sind bestimmt, die menschliche Gesellschaft zu schützen, ja, besser gesagt, zu ermögliehen, das bellum omnium contra omnes zu verhüten. Und sie sind weiterhin bestimmt, der Kultur der reinen Sittlichkeit zu dienen, die in der sittlichen Tat, die frei ist von jeder subjektiven Lust und Begierde, die aus einem von allem Unschönen und Unreinen befreiten Herzen stammt, ihren erhabenen Ausdruck findet. Und dieser Schutz der menschlichen Gesellschaft und diese Kultur der Sittlichkeit wird durch die Zehngebote gerade um deswillen garantiert, weil beide Aufgaben auf dem Boden der Religion, die der Ausfluss der Ehrfurcht und Scheu vor Gott ist, ihren Vollzug finden, weil die zweite Tafel auf die erste Tafel sich stützt, weil in dem Bewusstsein der Verantwortlichkeit vor dem allwissenden und unbestechlichen Richter sowohl die Sittlichkeit wie der Bestand der Welt am *besten verankert sind. Wie sehr darum mit der Bekanntgabe der Zehngebote an Israel und die Menschheit die Welt verändert war, wie alle bisherigen Anschauungen umgestossen wurden und ein durchgreifender Wandel in der Menschheit und in der menschlichen Seele sich vollzog, das wollen wir zum Schluss mit den Worten des Dichters der Hallel-Psalmen wiedergeben, der, um diesen grossen Wandel

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