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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1927-01-01 · XVIII. (1927) · page 55

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
XVIII. (1927)
Date
1927-01-01
Page
– (sequence 55)
Language
German
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16 auf einmal gesprochen, was ein Mensch natürlich zu tun nicht vermag; darum musste die Doppelfassung in der Tborah stehen. Darauf bezieht sich denn auch die bekannte Strophe in dem erhabenen Sabbat-Lied: ״Hüte und gedenke! Das hat uns in einem einzigen Wort der als Einziger gepriesene Gott hören lassen.w Das letzte Gebot der ersten Tafel ist bekanntlich das Gebot der Elternverehrung. Im ersten Augenblick möehte man meinen, dass hier sein Platz nicht wäre, dass es die zweite Tafel einleiten müsste. Und dennoch steht es am rechten Platz. Und vielleicht hat gerade der Umstand, dass die Verehrung der Eltern als der Stellvertreter Gottes diesen Platz neben den auf Gott bezüglichen Geboten gefunden hat, dazu beigetrageo, in Israel ein solides, ideales Familienleben zu begründen, dessen Tatsache wohl unbestritten sein dürfte, selbst von Israels Gegnern zugegeben wird. Heinrich Gross, in seinem Religionsbuch für die Mittelschulen, nennt das Gebot der Elternverebrung die Brücke, die von Gott za den Nebenmenschen überleitet. In die engere eigene Familie hineingestellt und mit den Tugenden der Familie ausgestattet, ist der fromme Israelit geneigt, die ganze Menschheit als die grössere Familie anzuerkennen und in ihr und ihr gegenüber die Tugenden za bewahren, die das Leben in der eigenen Familie geweckt und gezeitigt hat. Auch von der eigenen engeren Familie zur weitesten Familie, der Gesamtmenschheit, führt eine Brücke; es ist die Volksgemeinschaft und die Staatsgemeinsehafk Und hier weiss das fünfte Gebot uns gar Köstliches zu sagen. Das fünfte Gebot enthält auch eine Segenverheissung für die Befolgung des Gebotes: ״ Damit deine Tage sich verlängern und es dir wohl ergehe auf dem Erdboden, den Gott, dein Gott, dir gibt.“ Da nun die Erfahrung wie in so vielen Beziehungen, so auch hier einen Widerspruch mit der Verheissung bezeugt, insoferne als gar viele Kinder braven Verhaltens gegen ihre Eltern kein langes Leben erreichen, so erklären die talmudischen Lehrer, dass hier wie so oft ein Hinweis auf das Jenseits gegeben sei, wo Tagend und Gerechtigkeit ihren Lohn finden und die Dissonanzen des Diesseits zur Harmonie hinaufgeführt werden. Wenn wir aber den einfachen Wortlaut des Gebotes näher ins Auge fassen, so muss es uns ganz klar werden, dass das angesprochene Subjekt die KoHeb^v-Persöiitichkeit der ganzen Volksgemeinschaft Israels

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