Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XVIII. (1927)
- Date
- 1927-01-01
- Page
- – (sequence 52)
- Language
- German
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13 sondern auch die Güte und Gerechtigkeit Gottes erfahren. Wie sollte es dieses Wesen der Gerechtigkeit und Güte nicht anzuerkennen bereit sein? Auch diesen Gedanken behandeln die Weisen in ihrer geist- und gemütvollen Art in der Form eines Gleichnisses. Sie fragen, warum die Zehngebote bei ihrer überragenden Bedeutung für den Lehr-Inhalt des Judentums ihren Platz nicht gleich an der Spitze der Tborab gefunden haben. Und sie erzählen von einem König, der in ein anderes Land einzog und von den Bewohnern desselben seine Anerkennung verlangte. Man erwiderte ihm, er solle erst einmal die Wohltaten aufzählen, die er ihnen erwiesen habe und die die Forderung dieser Anerkennung rechtfertigen würden. Da baute der König Mauern um ihre Städte, legte ihnen Wasserfeitungen an, führte zu ihrem Schutz Kriege gegen ihre Feinde und stellte dann erneut sein erstes Verlangen. Und dieses Mal scholl ihm ein freudiges Ja entgegen. So führte Gott Israel unter Bekundung seiner Allmacht in unendlichen Wundertaten aus Ägypten, spaltete das Schilfmeer, sandte ihnen das Man vom Himmel, besiegte den sie angreifenden Amalek und stellte dann an sie das Ansinnen, dass sie ihn als ihren König verehren mögen. Da sprach Israel freudig seine Zustimmung aus. Die Dankbarkeit also gegen Gott, das Bewusstsein dessen, was Gott für sie getan, bewog Israel zur freudigen, begeisterten Übernahme der göttlichen Herrschaft. Die Dankbarkeit erzeugt die Liebe, und die Liebe ist das beste Band zwischen Gott und seinen Menschenkindern, ganz besonders dann, wenn sie sieh mit der Ehrfurcht verbindet, wie sie in dem nun folgenden dritten Gebot gelehrt wird, und die mit der Liebe zusammen den spezifischen Ausdruck der wahren Frömmigkeit bildet. Wir kommen zur Bespreebung des dritten Gebotes. Wir wollen ihm zum besseren Verständnis ein Wort des Psalmisten voraufschicken. Der Psalmist sagt: ״Dir gegenüber bedeutet Schweigen Lob.“ Das Schweigen ist das Eingeständnis des eigenen Unvermögens, dem Wesen Gottes in einer Darstellung gerecht zu werden; denn die Fülle seiner Erhabenheit kt so gewaltig, so überwältigend, dass der schwache Mensch Gott gegenüber seine ganze nieder drücken de Schwäche empfindet. Und vor diesem Wesen sollst du für und für Ehrfurcht empfinden, vor seinem