Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XVIII. (1927)
- Date
- 1927-01-01
- Page
- – (sequence 51)
- Language
- German
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gottlos das Volkssprichwort ist: ״Die Väter haben Herlinge gegossen und die Zähne der Kinder werden stumpf.“ Das Wort פר!ד heisst bekanntlieh ״bedenken“ und zwar sowohl im schlimmen, wie im guten Sinn. Hier nun heisst es ״bedenkt“ in gutem Sinn. Auf der schweren Sunde des Götzendienstes lastet die Strafe der Ausrottung. Und gerade diese Ausrottung setzt Gott während mehrerer Geschlechter noch aus, um auch für die Menschheit sichtbar festzuätellen, ob ans diesem schlechten Stamm nicht doch noch ein gutes Reis hervorgeht. Ist dies nach drei und vier Geschlechtern nicht der Fall, ist die ganze Sippe im Götzendienst versunken, dann vollführt Gott im dritten und vierten Geschlecht die schon im ersten Geschlecht verwirkte Strafe der Ausrottung. Als Exempel für diese richtige Erklärung weist der berühmte Bibel-Erklärer Naehmänides auf die kenanitischen Völker hin, die schon zur Zeit Abrahams durch ihren Götzendienst die Ausrottung verdient hatteu, aber noch Jahrhunderte verschont wurden, so dass Gott zu Abraham spricht: ״Erst das vierte Geschlecht soll hierher zurückkebren; denn noch ist die Sünde des Emoriters nicht voll.״ Dieses Bedenken und Zuwarten ist ein Zeichen der göttlichen Langmut. Auch das Wort ר!נא» das wir mit ״eifervoll“ übersetzen, bedarf einer Erklärung. Wir verstehen unter diesem Begriff das SichaUfbäumen unserer guten Natur gegen das Schlechte und Unschone, das wir gar nicht anzusehen vermögen. Es ist die Reaktion unserer auf das Güte eingestellten Natur gegenüber dem Schlechten. Gott muss strafen; sonst wäre er nicht das gerechte, sittlich am höchsten stehende Wesen. Von einem grausamen Judengott kann afto mit nichten die Rede sein. Dieser Vorwurf ist ein Justizmord, der aber ebenso wenig eine wirksame Revision erfahren wird, wie das Unrecht an den Pharisäern, dass sie scheinheilig seien, wie- Wühl die Wissenschaft diese Belastung längst widerlegt hat. Es ist noch ein Wort darüber zu sprechen, dass die Verpflichtung Israels zu dem Bekenntnis des einzigen Gottes auf die Tatsache der Befreiung aus Ägypten gestützt wird und nicht auf das sicher viel grössere und zeitlich viel frühere Faktum der Welten- Schöpfung. Die Antwort darauf lautet, dass ein Ereignis, das wir selbst miterlebt haben, viel grössere Beweiskraft für uns besitzt, als eines, das wir nur vom Hörensagen kenneu. Den Auszug aus Ägypten hat Israel miterlebt. Es bat hier nicht nur die Grösse,