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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1927-01-01 · XVIII. (1927) · page 50

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
XVIII. (1927)
Date
1927-01-01
Page
– (sequence 50)
Language
German
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11 der Gottheit stets von der ins Übermächtige gesteigerten Menschen^ figur und dem idealisierten Menschenantlitz aasgebt, ist die Ursache dafür, dass im Judentum die bildende Kunst nicht anfkommen konnte. Der Schaden, der dadurch entstand, wird sicher durch den Umstand aufgewogen, dass die Vennaterialisierung des göttliehen Wesens vermieden worden ist. Eine solche Vermaterialisierung des göttlichen Wesens aber würde dem Judentum ans Herz greifen, das an seinem Kardinalglaubenssatz festhält: ״Höre, Israel, der Ewige, unser Gott, ist ein einig-einziges Wesen!tt Die Einigeinzigkeit Gottes ist aber nur bei einem rein geistigen Wesen denkbar, das der sinnenfälligen, bildlichen Darstellung entrückt ist. Es muss noch besonders betont werden, dass jeder Aberglaube als eine Abart des Götzendienstes im Judentum gleichfalls verboten ist. Denn der Aberglaube stellt neben Gott, den alleinigen Lenker des Schicksals, Dinge, die angeblich von Einfluss sind auf unser Geschick und Leben. Zumeist wird im Leben der Aberglaube zu leicht genommen; aber er ist nichts anderes als ein feiner Götzendienst. Bei diesem zweiten Gebot, dessen Überfülle an Inhalt und dessen grundsätzlicher Charakter überwältigend ist, ist nun ein Zusatz hinzugefügt, der, weil er von den Feinden Israels seit langen Zeiten falsch gedeutet wurde, den Gottesbegriff des Judentums bedauerlich entstellt hat. Man spricht von einem grausamen und rachsüchtigen Judengott. Mit vollem Unrecht. Indem Gott in diesem Wort den Götzendienst verbietet, beschreibt er sein Wesen als das eines ״eifervollen Gottes, der bedenkt die Sünden der Väter bei den Kindern im dritten und vierten Geschlecht, bei denen, die mich hassen, der aber Gnade erweist bis ins tausendste Geschlecht bei denen, die mich lieben und meine Gebote beobachten.“ Was bedeutet dieses Wort? Bedeutet es wirklich, wie uns bei der falschen Übersetzung ״der ahndet“, die durch Luther aufgekommen ist, bedünken könnte, dass Gott, ebenso ungerecht, wie grausam, die Kinder für die Sünden der Eltern büssen lasse? Unmöglich kann das der Fall sein. Heisst es doch in der Heiligen Schrift: ״Es sollen nicht die Kinder getötet werden wegen der Sünden der Väter, und es sollen nicht die Väter getötet werden wegen der Sünden der Kinder, ein jeder soll wegen seiner Sünde getötet werden.“ Sagt uns doch der Prophet Ezechiel, wie frivol and

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