Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XVIII. (1927)
- Date
- 1927-01-01
- Page
- – (sequence 49)
- Language
- German
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10 benker eine Bolle spielt, aber tatsächlich keine reale Macht cfatstellt, ist durch die Betonung des Wörtchens ״Ich“ im ersten Gebot vollständig ausgeschlossen. Gott ist eine Persönlichkeit, ein bewusstes und bewusst wirkendes Wesen. Demgemäss kann er auch nicht wie in dem Pantheismus der alten griechischen Philosophen und vor allem Spinozas in der Neuzeit, wonach Gott und die Welt ein und dasselbe sei, mit der Welt identisch sein, mit ihr zusammenfallen, die einzige Substanz darstellen. Er ist als Persönlichkeit von der Welt getrennt und schaltet und waltet in ihr in Erhabenheit. Nur bei dieser monotheistischen Anschauung ist ein Gott der Liebe, der Fürsorge, der Treue denkbar und damit eine wahre Religion. Nur bei diesem Glauben an einen persönlichen, über der Welt stehenden Gott findet die Sehnsucht des Herzens ihre Befriedigung und das Gemüt des Menschen seine Nahrung. Und wenn das zweite Gebot den Polytheismus verneint und ausschliesst, so ist damit auch der Dualismus unmöglich, wonach es im Sinne der alten heidnischen, semitischen wie arischen Völker wenigstens zwei Götterbereiche gebe, einen Gott der Finsternis und des Lichts, des Guten und des Bösen oder auch nach anderer Anschauung ein Beich Gottes und des Teufels. Diese Anschauung des Dualismus durchzog das ganze Altertum, und wie schwer er auszurotten war, das zeigen die Ausführungen des Propheten Jesaias. Wie unhaltbar und gefährlich dieser Glaube ist, beweist die Erwägung, dass die beiden Gewalten sich gegenseitig bekämpfen und auf heben mussten, so dass das ganze Weltengetriebe und das ganze Leben ein Spiegelbild dieser Götterbefehdung wäre. Der Gottesglaube des Judentums betont die Einzigkeit Gottes, seine rein geistige Persönlichkeit, seine von der Welt getrennte, unabhängige Existenz. Dieses rein geistige Wesen in einem Bilde erfassen und darstellen zu wollen, ist ein strenges Verbot der jüdischen Religion, das zum Inhalt des zweiten Gebotes gehört. Ja nicht einmal in Gedanken ist es erlaubt, sich von Gott ein Bild zu machen. Jede Darstellung im Bilde widerspricht dem unkörperlichen, rein geistigen Wesen Gottes. Dieses Verbot, das selbst die Darstellung eines Menschen-Angesichts oder einer menschlichen Figur in erhabener Arbeit vorsorglich im Sinne der Verhütung einer Darstellung Gottes ausschliesst, weil die Kunst bei der Darstellung