Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XVIII. (1927)
- Date
- 1927-01-01
- Page
- – (sequence 47)
- Language
- German
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Dein Volk schlagen sie nieder, dein Erbe peinigen sie, die Witwe und den Fremdling erschlagen sie, die Waise töten sie, und sie sprechen: ״Nicht sieht es Gott, nicht merkt es der Gott Jakobs.ua Auch hier wird das unmoralische Verhalten der Menschen als nur durch die Leugnung Gottes und seiner Allwissenheit erklärlich dargestellt. Ehe wir uns nun dem Inhalt der einzelnen Gebote zuwenden, wollen wir noch eine Bemerkung über den Ursprung der Zehngeböte machen. Es wäre denkbar, dass Gebote, wie ״du sollst nicht morden, nicht stehlen üsw.“ auch ein irdischer Gesetzgeber, ein irdisches Parlament gegeben hätte. Die Übertretung aller dieser Verbote kann eine irdische Macht-Instanz durch ihre Polizei- Organe überwachen lassen, sie kann die Übertretung feststellen. Anders liegt das bei dem Verbot ״du sollst nicht gelüsten!“ Dieses Gebot kann nur ein Wesen gegeben haben, das ins Herz zu schauen vermag und die Übertretung durch sein allschauendes Auge erkennen kann. Eine irdische Instanz, ein menschlicher Gesetzgeber könnte unmöglich im Zusammenhang mit den vorausgegangenen Gesetzen dieses Verbot statuiert haben, dessen Übertretung gegenüber er vollkommen machtlos ist. Aus dem zehnten Gebot spricht unleugbar zu uns der göttliche Gesetzgeber. Um aber zu zeigen, dass das nicht nur unsere Meinung ist, sondern eine von der allgemeinen Wissenschaft geteilte Anschauung darstellt, wollen wir hier anführen, was der Assyriologe Jeremias nach dieser Richtung zu sagen weiss. Er sagt bei einem Vergleich des Dekalogs mit dem Kodex des Hamurabbi: ״Aber es stellt sich grundsätzlich heraus, dass die Thorah in drei Beziehungen des Ethos die babylonischen Gesetze hoch überragt. Sie wendet sich gegen die Begierde, die böse Lust, die der Quell und Herd aller Rechtsbrüche ist, sie bekämpft die natürliche Selbstsucht, sie stellt dag Postulat der Nächstenliebe auf. Ein Gesetz wie ״du sollst nicht Verlangen tragen“, selbst wenn es zunächst als sittliches Gebot, nicht als Strafnorm aufzufassen wäre, stellt den Dekalog über alle Gesetze der Welt, welche die einleitenden Handlungen einer strafbaren Handlung bis zur wirklichen Äusserung des verbrecherischen Willens zu verfolgen und zu inhibieren ausserstande sind." Wir treten nunmehr in die Einzelbetrachtung ein.