Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XVIII. (1927)
- Date
- 1927-01-01
- Page
- – (sequence 45)
- Language
- German
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6 der ganzen Thorah, von der das Wort gilt, *ihre Wege sind Wege der Lieblichkeit* und alle ihre Pfade bedeuten den Frieden.“ Es ist nun hochinteressant, diese einfachen und klaren Gedanken in den geistreichen und gemütvollen Ausführungen der Weisen des Talmuds sich widerspiegeln zu sehen und damit feststellen zu können, dass auch die Weisen Israels durchaus die Be* gründung der erhabensten Sittlichkeit als den letzten Zweck, als das goldene Ziel der Zehngebote ansehen und als in den Absichten ihres göttlichen Gesetzgebers gelegen erklären. Ula, der ältere, will einen Yers aus dem Psalm 138 erklären: ״Es huldigten dir alle Könige der Erde, als sie die Worte deines Mundes hörten.“ Ula fragt, warum hier die Mehrzahl ״die Worte deines Mundes“ gebraucht ist, während sonst meist von der Thorah als dem einzigen, umfassenden Wort Gottes in seiner Totalität gesprochen wird und darum die Einzahl steht. Er beantwortet seine Frage selber folgen dermassen: Als vor aller Welt am Sinai das Wort erscholl: ״Ich bin der Ewige, dein Gott“, ״Du sollst keine andern Götter vor mir haben“ u. s. w., da hätten die Völker der Welt unmutig sich abgewandt und ausgerufen: ״Er hält eine Predigt zu seiner eigenen Verherrlichung; er denkt nur an sich, seinen Nutzen und seine Verehrung.“ Als dann aber Gott weiter sprach: ״Ehre Vater und Mutter! Du sollst nicht morden!“ usw., da seien sie wieder zurückgekehrt und hätten auch dem ersten Wort zugestimmt. Das Wort Gottes fällt also auseinander iu zwei Teile. Der erste Teil stellt die Pflichten gegen Gott fest, der zweite Teil die Pflichten gegen unsere Nebenmenschen, und ohne den zweiten Teil wären die Völker nicht geneigt gewesen, die Zehn geböte anzunehmen. Raba meint, man könne diesen Gedanken in noch viel schärlerer Weise in einem anderen Psalm ausgeprägt finden. Es heisst im 119. Psalm ״Der Anfang deiner Worte ist Wahrheit,“ wobei unter dem Anfang der Worte Gottes die ersten vier Gebote verstanden sind. Darauf fragt der Talmud verwundert: Ist denn nur der Anfang der Worte Gottes Wahrheit und nicht auch das Ende, der zweite Teil der Zehngebote? Und nun präzisiert Raba seine Behauptung dahin, dass aus dem Ende deines Wortes hervorgeht, dass auch der Anfang deines Wortes Wahrheit ist. Gott hatte bei der Statuierung der Zehngebote in idealer Selbstlosigkeit nur das