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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1927-01-01 · XVIII. (1927) · page 42

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
XVIII. (1927)
Date
1927-01-01
Page
– (sequence 42)
Language
German
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3 die Beurteilung des Wertes ausschlaggebend ist. In der angeblichen babylouischen Parallele heisst es: nWenn jemand in das Haas seines Nächsten eingedrungen ist, hat er dem Weib seines Nächsten sich genähert.:. u und der Nachsatz ist die aasge3etzte Strafe. Das ist mit nichten eine Parallele zu dem unerbittlichen ״Da sollst, Du musst, Du darfst nicht!14, das der herbe charakteristische Zag des biblischen Dekalogs ist. Dabei sehen wir zunächst noch von allem anderen ganz ab, was in der Sache ausschlaggebend ist. Nein, die Zehngebotc sind einzigartig und haben kein literarisches Vorbild, von dem sie nur ein Abklatsch wären. Wir haben eingangs unserer Ausführungen bemerkt, dass die Zehngebote im Mittelpunkt des Religionsunterrichts und der Beligionsbücher stehen. Demgegenüber müssen wir feststellen, dass sie im Grunde genommen nicht im Mittelpunkte des jüdischen Gottesdienstes, im Mittelpunkt seiner täglichen Litnrgie stehen, etwa wie das Sehma mit seinen Geboten der Gottesliebe und des Gehorsams gegen Gott. Auch hier haben wir religionsgeschiehtliche Bemerkungen zu machen. Tatsächlich stand der Dekalog zur Zeit des Tempels im Mittelpunkt des Gottesdienstes und der Liturgie genau so wie das Schma damals und heute noch. Es heisst in der Mischnah Tamid V, 1, dass bei der Darbringung des täglichen Opfers am Morgen der Vorgesetzte der Priester diese aufforderte, eine Berachah zu sprechen. Die Priester sprachen diesen Segensspruch (es ist der Segensspruch für die Spende des Lichts!) und dann lasen sie die Zehngebote, das Schma in seinen drei Absehnitten u. 8. w. Begründet wird diese Übung damit, dass die Zehngebote עקר התורה seien, die Grundlage, die Hauptsache, der Angelpunkt der ganzen Thorah. Und nun bemerkt der Talmud Berachoth 12a, auch ausserhalb des Tempels habe man diese Einrichtung treffen wollen, aber man habe sie abgelehnt wegen der Minim, der Sektierer, die da behaupten, nur dieser Teil der Thorah, die Zehngeböte, die Israel aus dem Munde Gottes gehört habe, seien wichtig, nicht aber der übrige Teil der Thorah, den Israel am seinen Wunsch durch Mosche übermittelt bekommen habe. Es gab also damals Anzweifler der Sendung des Mosche, denen man mit der uns auffälligen Anordnung begegnen wollte. Nicht eine Minderschätzung der Zehngebote ist es, die es verhindert hat, dass sie in den Mittelpunkt der täglichen Liturgie einrückten, sondern 1*

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