Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XVIII. (1927)
- Date
- 1927-01-01
- Page
- – (sequence 41)
- Language
- German
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2 heute eingeprägt. Ist der Dekalog, wie wir die Zehngebote mit griechischem Namen nennen, nun wirklich etwas derartig Gutes, ist er das Beste, was wir den Kindern in die Seelen und in die Herzen pflanzen können? Das ist eine Frage, die sich durch unsere Ausführungen von selbst beantworten wird. Man kann die Zehngebote inhaltlich, formal, dogmatisch, religionsge&chichtlich und religions vergleichend würdigen. Wir hoffen, dass in unseren Ausführungen, wenn auch nicht streng geschieden, alle Betrachtungsweisen zu ihrem Recht kommen. Aber eines möchten wir schon jetzt bervorheben, dass nämlich die Form der Zehngebote von ganz ausserordentlicher Bedeutung ist, wenn wir ihren Wert darstellen wollen. Die kurze, packende, an die Seele greifende Art des kategorischen Imperativs ״Du sollst nicht stehlen! Du sollst nicht ehebrechen!c u. 8. w. gibt den Zehngeboten ihre göttliche Weihe, Ihr einzig-artiges klassisches Gepräge. Als vor etwa zwei Jahrzehnten durch den unterdessen verstorbenen Professor Friedrich Delitzsch Israels Verdienst um die/Religion, um die Verbreitung des Monotheismus im Völkerkreise zu Gunsten der alten Babylonier aus der Weltgeschichte gestrichen werden sollte, da wollte dieser voreingenommene, Israel feindlich gesinnte Gelehrte auch eine babylonische Parallele zu den Zehngeboten gefunden haben. Mit Recht aber trat diesem Anwurf der Assyriologe Johannes Jeremias mit der Feststellung entgegen, dass in den betreffenden Sätzen, die Delitzsch meint, lediglich eine Aufzählung der Vergehen vorliegt, welche schwere Schuld auf den Menschen laden, Raub, Ehebruch, Mord und Diebstahl, und er erklärt es für grundverkehrt, daraus eine ideelle oder literarische Abhängigkeit der Zehngebote ableiten zu wollen. Jeremias nennt die Zehngebote im Zusammenhang mit dem Grundgesetz der jüdischen Religion in V. M. 6, 4—5 ״Du sollst lieben den Ewigen, deinen Gott, mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deinem ganzen Vermögen!״ die Magna Charta der Religion Israels. Wir bemerken dazu ein Zweifaches: Wir betrachten die Zehugebote nicht nur als die Magna Charta der Religion Israels, sondern als die Magna Charta der menschlischen Gesellschaft, einer jeden Kulturgeraeinschaft. Und weiterhin betonen wir nochmals, dass hier gerade die Form für