Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XVII. (1926)
- Date
- 1926-01-01
- Page
- – (sequence 267)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3486266-3486307--6688-3493063- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
21? Priestern geleitet wurde, 55* 80 musste auch in den Landstädten die Volksversammlung von einer Stelle aus geleitet werden, und das tat eben der städtische Ausschuss, der חבר עיר, umsomehr, als in dieser hohen Körperschaft, wenigstens anfänglich, die Priester von Geblüt gewiss eine hohe Stellung einnahmen; vgl. den Priester (oben) im Rate der ägyptischen Presbyter. Dieser Gedanke liegt vollends nahe in einer Stadt wie Sepphoris, von der wir gesprochen haben; das sichere Vorkommen eines חבר עיר in dieser Stadt ist nur eine Nachricht mehr über den Magistrat dieser Stadt, von dem wir auch sonst wissen1), und diese Stadt ist es, von der eine mächtige priesterliche Kolonie am besten bezeugt ist2). Der Charakter dieses Magistrats gibt uns auch ungeahnten Aufschluss über die Beweggründe der Halakha; die Forschung3) hat festgestellt, dass die ßovXw oder Rat, diese charakteristische Verfassung der griechischen demokratischen Städte Kleinasiens, sich bis zur Zeit der Antonine erhalten hat; von da an, in der eigentlichen Römerzeit, wurden die Ratsherren auf Lebenszeit berufen, und ihre Wahl durch das Volk hörte auf. Man sprach speziell in Sepphoris von einem ״alten“ 56* Regime (ערכי הישנה M. Kidd. IV, 5), und man merkt, dass die Veränderung etwa um 170 n. Chr. eingetreten ist. R. El. b. Azarja nun (in M. Berakh. IV, 7) kennt noch das alte, freie חבר עיר als städtische Institution, desgleichen eine Generation später R. Juda [b. Illai], der in seinem Namen aussagt; 57* anders die mit חכמים bezeichneten Tannaiten allgemeiner Art, die bereits zur Zeit der Entstehung der Mischna lebten und deshalb von einem חבר עיר nicht mehr viel hielten. So ist es auch gekommen, dass über das mischnisehe Zeitalter hinaus niemand mehr von dem ״Stadtverband“ 0 Büchler, Priester und Cultus 198 Anm. 2, mein Antoninusund Rabbi S. 117. 2) S. oben in Punkt 1. s) Oehler in Pauly-Wissowa RE für klass. Altertumswissenschaft 111, 1035 f. hat dargetan, dass die ßovXfj viele Veränderungen durehgemaeht hat, darunter auch die im Texte angegebene. Sehr wichtig ist J. Levi, etndes sur la vie munieipale de l’Asie Mineure sous les Antonins, Revue des Etudes grecqaes VIII (1805), 219ff. Vgl. auch Lieben am, Städteverwaltung im röm. Kaiserreiche, Leipzig 1900, S. 226 ff. nnd 565f. Unser חבר עיך kommt, wie mir scheint, dem am nächsten, was griech. ׳rc^ua Tijg 716X1:Mg heisst (auch in pal. Städten, s. Lieben am 228 Anm. 2) bezw. lat. ordo (Liebenam das. und reich belegt 226 Anm. 3). Vgl. Abschnitt 5 dieses Aufsatzes.