Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XVII. (1926)
- Date
- 1926-01-01
- Page
- – (sequence 253)
- Language
- German
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203 werden, dass die Essener auch eine Eultgemeinschaft bildeten? Und war ihre Beschäftigung noch so sehr die Landwirtschaft — ist es nicht Lehre, Gebet und frommes Tun, wodurch sie sich am meisten auszeichneten? Eine ihrer Haupteigeotümlicbkeiten bestand darin, dass sie gemeinsame Mahlzeiten abhielten, denen sie den Charakter von Opfermahlen bezw. von gottesdienstlichen Handlungen zu geben verstanden. Auch der ״Stadtverband“ zeichnet sich u. a. auch durch solche gemeinsame Mahlzeiten aus (s. weiter unten) 1). 24* Aber auch das, was Josephus als Sonnenanbetung2) der Essener bezeichnet, 25* finden wir auch bei den Pharisäern und Babbinern, mittelbar also im Leben aller Juden bis auf den heutigen Tag, wir meinen die Bestimmung der Zeit von קריאת שמע durch den Sonnenstand3). Auch das ragt in die Zeit des Tempels hinein. Ja, in liturgischer Beziehung stehen wir heute noch im Banne ihrer Gebräuche, denn unser tägliches und besonders das für Sabbat- und Festtage zugerichtete יוצר trägt unverkennbar essenischen Charakter4). 26* Die קדושה, die sich in dieser Abteilung des Morgengebetes befindet, ist unzweifelhaft älter als die in der 5תפלה), und diese קרושה sollte, herren“, wodurch das kommunale Amt im Tempel nur noch klarer erscheint. Man denke auch daran, wie der Begriff סנהדרין — Gvv&dgtov im Jüdischen allmählich religiösen Charakter gewonnen hat. *) Geiger a. 0., der richtig von den Mahlzeiten spricht, hat anf die Essener nicht verwiesen. *4* 2) Schürer II, 666 bemerkt schon, dass es sich bei den streng anf dem Boden des jüdischen Gesetzes stehenden Essenern nicht am eigentliche Sonnenanbetung handeln könne; mir scheint es, dass sie bloss ihre Gebetszeiten, Gebetsrichtungen und sonstige Lebensführung von der Sonne bedingt sein liessen. Vgl. auch D. Boffmann in der Einleitung zu seinem Midrasch TannaimS.VII. 3) Im Tempel vgl. M. Tamid III, 2 mit dem gewiss altertümlichen Ausdruck ברקאי (Erklärungen s. in j. Joma I, 40 b und b. 28b). Es kommen In Betracht 1) קריצחא;הנץ החמה (3 •האיר המזרח (2 יאילת השחר (Midrasch zu Psalm XXII, 1 p. 90b ed. Buber). Für 3 קריאת• M. und T. Berakh. I, 4, b. 9 b, und namentlich befleissigten sich die ותיקין» Sema- Lesen gerade beim Aufstrablen der Sonne (211 (הנץ החמה beenden (b. 9b, j. 1, 5, 3 a z. 69). Vgl. noch b. Sabb. 118 b 2.מתפללין עם דמדומי חמה** 4) 26* Dies (hat Rapoport in Note 20 zur Biographie E. Kalirs (vgl oben S. 201, Anm. 1) unwiderleglich bewiesen; so urteilt u. a. auch L. Ginzberg, Geonica I, 133 Anm. 1. 6) T. Berakhoth I, 9; richtigen Sinn s. bei Ginz borg a. O. 129. Anders Elbogen a. 0. 62. *7*