Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XVII. (1926)
- Date
- 1926-01-01
- Page
- – (sequence 229)
- Language
- German
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179 digen Worte, welche uns bei Josephus Alt. XYII11. 2 auf bewahrt sind, lauten: % ״Die benachbarten, von Ausländern bewohnten Städte habe er verschönert, um die in seinem eigenen Reiche gelegenen durch Steuern zu erschöpfen und zu Grunde zu richten.41 Es war so allgemein bekannt, dass Herodes alle fremden Völkerschaften zu Herren und Gebietern der Juden gemacht hat, dass selbst Josephus, der Freund Agrippa II. und Freund aller Herodianer, ihr Gesinnungsgenosse und Vertrauter, sich genötigt sah, die Leser hierüber zu beschwichtigen. Alt. XVI. 5. 4, wo er diese Frage aufwirft, sagt er nämlich: ״Man muss sich nun wohl darüber wundern, dass bei Herodes 80 verschiedene Eigenschaften in einem und demselben Charakter vereinigt waren. Wenn man nämlich die Freigebigkeit und Wohltätigkeit in Erwägung zieht, die er allen Menschen gegenüber bewies, so kann auch selbst der, welcher nicht besonders anf ihn za sprechen ist, nicht leugnen, dass er von Natur überaus gutherzig war. Betrachtet man aber die Gewalttätigkeit und Ungerechtigkeit, womit er seine Untertanen (die Juden) und seine nächsten Verwandten behandelte und bedenkt man die Härte und Unbeugsamkeit seines Gemütes, so muss man allerdings gestehen, dass er ein allem menschlichen Empfinden abgeneigtes Ungeheuer war. Dahei sind die meisten der Ansicht, er habe mit sich selbst in Widerspruch und Zwiespalt gelebt. Ich dagegen glaube, dass die beiden so grundverschiedenen Richtungen seines Charakters auf ein und dieselbe Ursache zurückzuführen sind. Da er nämlich sehr ehrgeizig und dieser Leidenschaft ganz ergeben war, neigte er zu prunksüchtiger Freigebigkeit, sobald er hoffen konnte, augenblickliche Anerkennung oder besonderen Nachruhm zu finden. Weil aber seine Ansgaben ihm schliesslich über den Kopf wuchsen, war er genötigt, gegen seine Untertanen hart und grausam aufzutreten. Denn, was er den einen mit vollen Händen zuteilte, musste er von anderen (den Jaden) wieder erpressen." So weit Josephus. Dieser Manu ist so sehr an Doppelzüngigkeit und Falschheit gewöhnt, dass ihm die Empfindung für die Wahrheit ganz abhanden gekommen ist, nnd er Dinge niederschrieb, ohne zu merken, dass er schon besser daran getan hätte, sie garnicht erst zu Papier zu bringen. Er hat für Herodes nicht einen Entschuldigungsgrund sondern sogar deren zwei. Einmal, dass zwei verschieden geartete Beelen in Herodes lebten, und da er nicht recht wusste, was er mit beiden zugleich anfangen sollte, so wandte er seine gute Seele den Heiden zu, sorgte für sie in väterlicher Weise, zog sie zu sich heran und 12•