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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1926-01-01 · XVII. (1926) · page 228

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
XVII. (1926)
Date
1926-01-01
Page
– (sequence 228)
Language
German
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178 ״Der König Agrippa war von Natur sehr freigebig und wohltätig uud suchte sich die Liebe seiner Untertanen durch reiche Geschenke zu erwerben. Seinen Ruhm fand er in grossen Aufwendungen; und, indem er im Geben glücklieh war, stach er von seinem Vorgänger Herodes sehr ab, denn dieser war grausam, unversöhnlich, kannte in seinem Hasse gar kein Mass und gestand offen, dass er grössere Vorliebe für die Griechen wie für die Juden hege. Und während er fremde Städte mit verschwenderischer Pracht ausstattete, in der einen Bäder und Theater, in der anderen Tempel und Säulenhallen einrichtete, bedachte er keine einzige jüdische Stadt auch nur mit dem geringsten Schmuck oder einem nennenswerten Geschenk (für die öffentlichen Bedürfnisse). Agrippa dagegen war leutselig und gegen alle gleich wohltätig; freundlich gegen den Ausländer, der über seine Freigebigkeit nicht zu klagen hatte, vergass er doch auch nicht seine Untertanen durch umso grössere Teilnahme zu entschädigen.“ So Josephus in voller, nicht misszuverstehender Deutlichkeit. Und diese Historiker forschten überhaupt nicht und sahen nicht einmal 80 ausgesprochen klare Ausführungen und feierten Herodes als Gründer und Erbauer jüdischer Städte, die in stolzer Pracht und Herrlichkeit prangten und mit allem ausgestattet waren, was die griechische Baukunst dem Schönheitssinn darbet. Derartige Resultate kommen eben nur daher, weil auch unsere Geschichte im Stile und Geschmacke der griechischen Baukünstler geschrieben worden ist, im völligen Widerspruch zur Wahrheit und zum Inhalte unserer Quellen. Denn die Wahrheit zeigt ein ganz anderes Bild. Die Augen Israels verdüsterten sich heim Anblick des Geschehenen. Mit tiefem Giam sahen die Juden auf das, was ihnen im eigenen Lande angetan wurde. Sie wurden unterdrückt und in denStaub getreten. Herodes scheute sieh nicht, sie durch Steuern und Abgaben auszusaugen und auszurauben, um mit den von ihnen erpressten Steuern reich ausgeschmückte, prunkvolle Städte für die Fremden zu erbauen, während er für die jüdischen Städte auch nicht das Geringste tat und auch nicht das Mindeste zu den Ausgaben für die jüdischen öffentlichen Einrichtungen beisteuerte. Er machte sie im eigenen Lande zu Stiefkindern neben all den Heiden, die er mit jüdischem Gelde über sie emporhob. Genau dasselbe sagten auch die erlesenen Führer und Gesandten des jüdischen Volkes, als sie nach dem Tode des Herodes vor dem Kaiser Augustus standen, um die Interessen der Nation za vertreten. Wie vorsichtig sie auch in ihren Reden waren, Hessen sie doch diese Vorgänge nicht unerwähnt. Ihre denkwür-

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