Mannheim
Compact Memory

Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1926-01-01 · XVII. (1926) · page 226

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
XVII. (1926)
Date
1926-01-01
Page
– (sequence 226)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3486266-3486307--6647-3493022
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

176 und die Verwaltung des Landes gelegt hatte, in sein genaues Gegenteil verwandelt. Das Königtum Herodes umfasste jetzt auch alle benachbarten Völkerschaften und seine Einflußsphäre dehnte sich nach allen Richtungen hin aus. Da er ferner nur mit Griechen gern zasammeniebte und mit Herz und Seele am Griechentum hing, dem jüdischen Volke dagegen mit tiefer Abneigung gegenüberstand, so stand sein Entschluss bei der Thronbesteigung von vornherein fest, seinen Staat, der viele Völkerschaften in sich vereinigte, zu einem neuen Reiche umzugestalten und zwar sollten in diesem Reiche, das er neu zu gründen vorhatte, umgekehrt, die Heiden die oberste Staatsautorität vertreten und die Herrschgewalt im ganzeu Lande ausüben, die Juden dagegen sollten nur geduldete Untertanen sein, die den Heiden rechtlos gegenüberstehen. Darum legte er auch die ganze Regierungsgewalt ausschliesslieh in die Hände der Fremden. Nur sie allein waren seine Minister, Beamten und Diener, nur sie allein seine Ratgeber und Vertrauten, •׳ nur sie allein nahmen an seinen Gerichtssitzungen teil und nur sie allein verwalteten und beherrschten das ganze Land1). Seinem Vorsatze getreu, strebte er auch danach, die Reichshauptstadt und den Sitz des Königstums von Jerusalem nach einer l) Schürer Band I. S. 394 sagt: ״Um in den Augen der griechisch-römischeu Welt sich als Mann von Bildung auszuweisen, umgab sich Herodes — der im Innern seines Herzens stets ein Barbar blieb — mit einem Kreise griechisch gebildeter Diener.“ Ebenso sagt auch Grätz B. III. S. 222: ״Wie Herodes’ Dichten und Trachten nur dahin gerichtet war, den Freunden zu gefallen, die Gunst der Römer zu gewinnen und sich bei den Griechen beliebt zu machen, so umgab er sich im Innersten seiner Hofhaltung nur mit Fremden, besonders Griechen.“ Sie gehen somit alle den gleichen Weg und glauben alle, dass Herodes so handelte, weil er sich Ruhm, Ansehen und Gunst erwerben wollte und bauen dann auf diesen Voraussetzungen ihre Ausführungen über Herodes auf. Daher auch ihr planloses Herumtasten. Aber diese Auffassung ist ein vollständiger Irrtum und beruht auf Mangel an Forschung. Herodes handelte nicht so, weü er sich in der griechischrömischen Welt als Mann von Bildung ausweisen oder weil er sich Gunst und Ansehen erwerben wollte, sondern weil er ein bestimmtes, weitreichendes politisches Ziel im Auge hatte, ein politisches Ziel, nach dem er alle seine Verwaltungsmassnahmen im Lande einrichtete und zu dessen Verwirklichung er fest entschlossen war, die alte Ordnung des Staates aufzuheben und ein neues Reich aufzubauen, wie das alles im obigen Text ausführlich dargelegt wird

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.