Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XVII. (1926)
- Date
- 1926-01-01
- Page
- – (sequence 223)
- Language
- German
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173 noch nie gehört, dass solche Dinge eine streng auf die Sache ge• richtete echte Gesinnung erfordern. Das Ausschlaggebende ist doch einzig und allein der Erfolg, dass die Städte Jehndas in strahlender Pracht und Schönheit neu erglänzten. Auch dass die Priester gezwungen waren, für das Wohl des römischen Reiches zu opfern, ist nichts Aussergewöhnliches, da es bekannt ist, dass es von Anfang des zweiten Heiligtums an so Brauch war, wie es schon im Buche Esra inbezug auf die persischen Könige heisst. Grätz*sagt: ״Dieser ganze Schein, und weil eben alles Schein war, zerrann nach dem Ableben dessen, der ihn zu behaupten gewusst.“ Er stellt sich mithin die Sache so vor, als ob der Zusammenbruch der herodianiscben Schöpfung dem Volke und der Herrschaft Judäas im Lande, die Herodes begründet und befestigt batte, zum Unheil gereicht hätte. Es ist;Iber bekannt, dass die jüdischen Gesandten, welche nach Herodes’ Tode nach Rom geschickt wurden, selbst im Auftrage ihres Volkes den Kaiser Augustus förmlich darum anflehten. Josephus Alt. XVII 11, 1. 2 berichtet darüber klar und ausführlieh und auch wir kommen darauf noch ausführlich zurück. Und nicht nur die Gesandten aus dem Lande Judäa bemühten sich darum, sondern auch alle angesehenen Juden der Stadt Rom unterstützten sie in dieser ihrer Bemühung vor dem Kaiser und den römischen Senatoren, da sie hierin das einzige geeignete Rettnngsmittel sahen, das das Volk aus seiner schweren Bedrängnis zu befreien vermochte. Josephus sagt darüber: ״Die Männer, die nach dem Beschlüsse des gesamten Volkes geschickt wurden, waren fünfzig und zu Rom schlossen sich ihnen noch über achttausend an.“ Schon daraus allein ersehen wir, dass nur das allgemein als wahr anerkannte Wohl der Nation, dessen zwingende Notwendigkeit sich in der Tat einem jeden von selbst aufdrängte, sie alle vereinigt hatte, um diese Forderung, welche auch das Interesse der Gesamtnation erheischte, mit allem Nachdruck zu vertreten. Was war es aber in Wirklichkeit? Unter den Händen der Darsteller der jüdischen Geschichte zerrann und verflüchtigte sieh