Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XVII. (1926)
- Date
- 1926-01-01
- Page
- – (sequence 220)
- Language
- German
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170 Zweifellos musste auch Krochmal, nach der Art, wie er den Verlauf der Dinge und die Gestaltung der Verhältnisse schildert die Erkenntnis nahegerückt sein, dass die Juden in totaler Verblendung sträflich gegen sich selbst gehandelt haben, da sie in ihrem unbegreiflichen Starrsinn ihr Glück mit eigenen Händen zerstörten. Io Wirklichkeit aber steht es so, dass den jüdischen Historikern, welche sich mit dieser Zeit befassten, die Erforschung der jüdischen Geschichte, und insbesondere die wahrheitsgetreue Darstellung des Sachverhaltes durchaus ferngelegen hat. Ihr Hauptaugenmerk war vielmehr darauf gerichtet, durch allerlei Mittel und Wege den Nachweis zu erbringen, dass die Juden gegen alle Vernunft und ohne jede Rücksicht auf ihre nationalen Pflichten ihr ganzes Sinnen und Trachten ausschliesslich auf die Erhaltung der Religiönsgesetze kouzentrierten und hierdurch ihr namenloses Leid selbst verschuldet hatten, da sie infolge dieser sträflichen Einseitigkeit die Welt um sich mit ihrer Fülle von Aufgaben ganz vergessen hätten. Bot sich diesen Forschern gar durch eine seltsame Fügung die glückliche Gelegenheit solche Gedankengänge in der geschichtlichen Dar- Stellung zu reproduzieren, so sahen sie ihre Aufgabe als vollkommen gelöst au. Grätz, der aus dem gleichen Mangel an Forschung, genau so wenig wie Krochmal das Wesen und die Art der herodianischen Regierung erkannt hat, und sich daher in denselben Gedankengangen wie Krochmal bewegt, legt sich dennoch in seinen Ausdrücken mehr Zurückhaltung auf, und sagt gleich in seiner Einleitung über Herodes Band 35 S. 178: ״Dieser junge Mann wurde der böse Dämon für die judäische Nation und schien dazu berufen, sie an allen Gliedern gebunden der Römerherrschaft zu überantworten und ihr den Fuss auf den Nacken zu setzen/* Solche Redensarten sind selbst in doppelter und dreifacher Ausführung nichts weiter als leeres Wortgeklingel, das mit Geschichtsforscfaung nichts zu tun hat. Es ist genugsam bekannt, dass alle, welche unter die Herrschaft Roms kamen, an Händen und Füssen geknebelt, vor den Römern dalageu, ohne dass die Römer erst zu warten brauchten, bis andere ihnen das Opfer fesselten. Sie verstanden diese Arbeit sehr gut auch selbst zu verrichten, wie schon Daniel in seiner