Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XVII. (1926)
- Date
- 1926-01-01
- Page
- – (sequence 219)
- Language
- German
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169 Wohlfahrt des Landes, und ebenso wenig mit ihrem persönlichen Wohlergehen und ihrer persönlichen Sicherheit etwas zu tun hatten, und stürzten sich und ihr Land ins Verderben. Sogar von den Abgaben an die Römer wurden sie unter Herodes befreit, denn so erzählt uns Krochmal: ״Zwar musste auch er Hilfstruppen, Geld und Lebensmittel für die Kriegsbedürfnisse der Römer liefern, doch war diese Abgabe keine regelmässige und hörte ganz auf, als das römische Reich unter dem Kaiser Augustns zur Ruhe gekommen war.“ Nun ist bekannt, dass diese Rübe im römischen Reiche bereits gegen Beginn der Eegierung des Herodes eintrat, nachdem Augustus den Antonius besiegt hatte (30 v.). Demnach herrschte während der ganzen Regierungszeit des Herodes helles Glück und Freude in Judäas Zelten; das Volk wusste aber den hochherzigen Wohltäter und Beschützer, der es zur höchsten Höhe emporleiten wollte, nicht zu schätzen und in seiner übertriebenen Empfindlichkeit nahm es sogar keinen Anstand, seinen Unwillen laut zu bekünden, sodass es mehr zurück, als vorwärts kam. Und wenn Herodes von Natur sehr grausam war, kennt Krochmal auch dafür Trost indem er sagt: ״Wenn auch der aufmerksame Beobachter nicht bestreiten kann, dass Herodes grausam war, so beging er doch nicht solche Freveltafcen gegen das Volk wie Alexander Janai; die Söhne des Herodes begaben sieb ancb nicht unter ein neues Joch, so wie die Söhne Janais. Im Gegenteil, alle Angehörigen des Herodes waren eifrig bemüht, sieb die Gunst des Volkes nnd der Weisen zu erwerben, indem sie Städte bauten und Gutes taten.“ So versteht es Krochmal uns schöne, herzerfrenende Dinge und ungeahnte Neuigkeiten hören zu lassen. Wir erfahren, dass in Herodes’ Tagen alle Völker riugsum Israel zu Füssen lagen, dass seine feindlichen Nachbarn teils vernichtet, teils gedemütigt waren, und dass alle Abgaben und Steuern an das Ausland vollständig aufhörten. Steuern hätten die Juden Palästinas damals nur für ihre Zwecke, für die Bedürfnisse ihres Staates, also nur zur Förderung ihres Wohles, entsprechend den Bedürfnissen ihres Landes zu zahlen gehabt. Und wenn Herodes auch den Römern schmeichelte, so hat er damit unzweifelhaft sehr richtig gehandelt, denn das jüdische Volk war damals ihnen untertan, und gegenüber dem weltbeherrsehenden Rom war ein anderes Verfahren nnmöglieb.