Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XVII. (1926)
- Date
- 1926-01-01
- Page
- – (sequence 216)
- Language
- German
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166 Freilich wurde dem jüdischen Hohepriester die königliche Stellung eher verziehen, als dem fremden und priesterlicher Weihe unfähigen Mann; und wenn die Hasmonäer die Unabhängigkeit des Judentums nach aussen hin vertraten, trug der Idumäer seine königliche Macht über die Juden von dem Schirmherrn zu Lehen. Die Rückwirkung dieses unlösbaren Konfliktes auf eine tief leidenschaftliche Natur tritt in dem ganzen Lebenslauf des Mannes uns entgegen, der viel Leid bereitet, aber vielleicht nicht weniger empfunden hat.“ Aber dafür, dass Herodes ״seine königliche Macht über die Jaden von dem (römischen) Schirmherrn zn Leben trug“ trifft doch sicher Herodes nicht die leiseste Schuld, da ja nicht Herodes es war, der Israel unter das römische Joch gebracht hat. Diese Situation fand Herodes vielmehr bei seiner Thronbesteigung bereits vor. Mommsen hat diesen Widerspruch gewiss selbst gefühlt, und darum wohl schliesst er seine Betrachtungen mit einem allgemeingehaltenen Vorwurf gegen die Juden, indem er sagt: ״der (Herodes) viel Leid bereitete, aber vielleicht nicht weniger empfunden hat.“ Da eben diese Geschichtsschreiber Gründe herholten, die ausser dem Bereich der Tatsachen liegen, so konnten auch ihre Ausführungen nicht stimmen*, und unsere Geschichte blieb demzufolge nach wie vor ungeklärt und dunkel. Krochmal der Ältere, der in den Geschichtsforschungen seines Werkes ״Moreh Ne&uche Hasman“ meistens nur den Anschauungen der nichtjüdischen Geschichtsschreiber Beachtung schenkt, und sich ganz in ihren Bahnen bewegt, sagt auf Seite 74 in seinen Erörterungen über Herodes: ״Und noch einmal ersteht den Juden eine stolze Regierungsmacht und dies dauk einer Familie von Fremdlingen, Askaloniern, aus dem Stamme Edom, welche in den Tagen des Johann Hyrkanus zum Judentum übergetreten waren. Der Erste aus dieser Familie, der Sohn des Antipater, Herodes, war es, welcher das Gebiet des jüdischen Reiches weithin ausgedehnt und die kleinen feindliehen Nachbarn des Landes unterjocht hat. Er war es auch ferner, dem es gelang, die Schroffheit des Vasallen Verhältnisses zu deu Römern durch den Glanz seiner eigenen Herrlichkeit ein wenig zu mildern, da er in grossem Ansehen bei ihnen stand. Zwar musste auch er 13ilfstruppen und Tribut an Geld and Lebensmitteln für ihre Kriegsbedürfnisse liefern. Doch war diese Abgabe keine regelmässige und hörte ganz auf, als das römische Reich unter dem Kaiser Augustus zur Ruhe gekommen w ar. Und wenn wir davon absehen, hielten sich die Römer von jeder Einmischung in die Leitung der inneren Angelegenheiten des jüdischen Staates vollständig fern. Kehren wir nun Lebensinjberessen vollständig ignoriert und statt dessen nur die Taten und Geschichte seiner Herrscher schildert.