Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XVII. (1926)
- Date
- 1926-01-01
- Page
- – (sequence 184)
- Language
- German
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134 der Klaas gewähren und deshalb auch kulturhistorischen Wert besitzen. Und es ist anzunebmen, dass bei ihrer Abfassung das Vorbild anderer Jeschiwot massgebend war, zumal in der Konzessionsurkunde ausdrücklich auf die an anderen Orten bestehenden Lehrstätten Bezug genommen wird» Es wird dort als Zweck der Stiftung bezeichnet, darin ״ihre Lehr- und Schulexerzitien, wie solche in Frankfurth und dergleichen Orthen gebräuchlich“ zu halten. Zum allgemeinen Verständnis seien einige Bemerkungen vorausgeschickt Die Grundlage für das ganze Werk sollten die drei Säulen תורה, עכודה und גמילות חסדים sein. Die תורה wird durch die Jeschiwa repräsentiert. Nach dem Testament sollten zehn Rabbiner angestellt sein, von denen zwei die Leitung des Lehrhauses inne haben sollen. Sie haben die Pflicht, miteinander gemeinsam and mit den Schülern die Thora zu pflegen. Die Zöglinge des Lehrhauses zerfallen in gereiftere Studierende (בהודם), längere Studierende (״Behelfer“) und Schäler. Eine Art Aufsichtsinstanz bildet der sogenannte ״Kneilgabbe“, der in sich die Stellung eines Dieners und eines Buttels vereinigt. Die Schüler setzten sich, wie auf den Jeschiwot überhaupt, aus allen Gesellschaftsschichten zusammen, da es ja jeder für seine Pflicht hielt, seinen Sohn, auch wenn er einen weltlichen Beruf ergreifen sollte, eine Zeitlang auf die Jeschiwa zu schicken, um das Thorastudium zu pflegen. Zu den Gehältern der Rabbinen, die in der ursprünglichen Verordnung auf 200, im Testament des Stifters auf 300 fl. festgesetzt waren, ist zu bemerken, dass diese Summe damals ein reichliebes Auskommen gewährte. Vergleichsweise sei angeführt, dass z. B. die beiden Mannheimer Bürgermeister um die Mitte des 18. Jahrhunderts je 250 fl Gehalt hatten. Freilich musste mit den veränderten Verhältnissen eine Reduzierung der Rabbiner erfolgen, wie überhaupt sich manches anders gestaltete, als es sich der Stifter vorgestellt batte. Im ganzen genommen aber bleibt die Stiftung ein glänzendes Zeugnis für den Opfersinn unserer Reichen in der früheren Zeit wie für ihre Liebe zur Thora, in deren Pflege and Erhaltung sie die sicherste Gewähr für die Zukunft ihres Volkes erblickten. Ich beginne nunmehr zu Ehren der Thora die ״Säule der Thora“ zu beschreiben.