Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XVII. (1926)
- Date
- 1926-01-01
- Page
- – (sequence 156)
- Language
- German
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106 Als die Seuche erloschen war, fand Mate in ihrem Hause nichts mehr vor. Alles war ausgeraubt. Durch Fleiss und Ausdauer gluckte es ihr, sich und die Kinder zu ernähren und sie ersparte sich so viel, dass sie ihre Toehter U1 k verheiraten konnte. U 1 k heiratete Elias Cohn, den Sohn des ersten Rabbiners von Altona, David Menachem Cohn. Dieser stammte aus Hanau, woselbst sein Vater, der thorakundige Menachem ben David Cohn begraben liegt. Glückl Hameln meint, dass er früher Rabbiner in Friesland gewesen sei. Elias Cohn bekam 400 Taler Mitgift. Er war ein erwerbstüchtiger Mann und brachte es bald zu namhaftem Reichtum. Aber die Schicksals Wendung, so erzählt die Glückl Hameln, ist ihm gar zu geschwind gekommen. Löb Pinkerle, der Vater der Memoirenschreiberin, war lange Jahre Gemeindevorsteher, und als Elias Cohn, ein noch junger Mann, zu Vermögen und Ansehen kam, schwoll ihm der Kamm und er sagte: ״warum soll ich nicht Vorsteher sein! Bin ich nicht so klug, so reich, 80 wohltätig wie mein Schwager Leb?** Da entschied nun, wie die Glückl berichtet, der ewige Richter. Der Tod raffte in gleichem Jahre 1653 vier Gemeindevorsteher dahin. Es starben Feibelman Heilbut, Chaim Fürst, Salomon Fürst und der inzwischen zum Vorsteher gewählte Elias Cohn, kaum 40 Jahre alt. bei Lebzeiten des Vaters Elias Cohn hinterliess drei Söhne, Jakob, Nathan und Mordechai uud zwei Töchter, Sara und Schönchen. Ulk blieb nach dem Tode ihres Mannes als vermögende Frau zurück und führte das Geschäft weiter. Sie verheiratete sich dann zum zweitenmale mit Nathan Aron Neumark Frankfurter. Mate Meirich zog dann mit ihrer Tochter Bella in das Haus ihrer Tochter Glückl, die mit Jacob Ree verheiratet war. Dort ernährte sie sich mit Spitzenklöppeln. Sie erwarb sich das Vertrauen der Hamburger Kaufleute, die ihr Gold und Silber und das nötige Material an vertrau len. Ihre Tochter Bella unterrichtete eine Anzahl Mädchen in der Spitzenklöppelei. So ernährten sie sich redlich, bis Bella den Löb Pinkerle, der nach alten Altonaer Gemeindebüchern auch Löb Staden hiess, heiratete. Lob nahm seine Schwiegermutter zu sich ins Haus und behandelte sie mit Liebe und Achtung. Sie konnte dort nach Gefallen Wohltun üben. Als nach der Ankunft der polnischen Flüchtlinge, die durch den Kosakenhetman Bagdan Chmelnicki von Haus und Hof vertrieben waren und zum Teil krank AUona erreichten, auch