Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XVII. (1926)
- Date
- 1926-01-01
- Page
- – (sequence 138)
- Language
- German
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93 volkstümlichen Massenerzeugnissen;hierzu gehören auch die Kalender. Sie waren des Absatzes bei der Volksmenge sicher, ob ohne Fehler oder mit solchen. Aber sie mussten billigen Preis haben, und, eine zweite Hauptsache, rechtzeitig auf dem Markte sein. Offenbar trat bei Herstellung solcher Massenware ein Korrektor gar nicht in Tätigkeit, sonst hätten solche nachlässige Drucke au! dem Gebiete der religiösen Massenliteratur, wie wir sie z. B. in Fürth und Sulzbach 80 oft finden, nicht Vorkommen können.* Buchstabenverweebslungen sind etwas Gewöhnliches. Das vom Zensor beanstandete ״Allersulen“ statt ״Allerseelen“, an sich ja ganz harmlos, ist durch Einsetzung eines ו statt eines זולין) י st. זילוין) entstanden, und umgekehrt vielleicht auch das hakkedeschim durch Einsetzung eines י für ו. Der konservativ gerichtete Sinn der jüdischen Massen hatte grade vor dem Buchdruck (!מלאכת הקודש) eine heilige Scheu. Was gedruckt war, galt als heilig, zumal bei Erzeugnissen religiöser Art, die seit vielen Geschlechtern in einer bestimmten Form überliefert waren. Es gibt ja z. B. eine grosse Anzahl von Stellen in Mischna und Gemara, die als offenbare Fehler längst erkannt sind, als Einschiebsel Späterer, Missverständnisse von Abschreibern u. dgl. Doch jeder Herausgeber zeigt heilige Scheu, sie etwa zu streichen und führt sie neben den richtigen Lesarten mit. Gleiches gilt auch für andere Grundwerke, wie Raschi, Bertinoro u. s. w. — Auch bei jüngeren Drucken finden wir diese Tatsache, hier aber oft auf unbewusster Gedankenlosigkeit und Nachlässigkeit beruhend. So werden bei Nachdrucken früherer Werke Bemerkungen mitgedruckt, die nur für die alte, nicht mehr aber für die neue Ausgabe passen, wie z. B. Approbationen, Titeltexte mit allem Beiwerk, gelegentlich auch Druckerpersonal. Ein krasses Beispiel für diese Gedankenlosigkeit sei hier angeführt: Das unter dem Titel תיקון בלי נקודות bekannte unpunktierte Chomesch (Pentateuch) erschien einmal in Sulzbach durch Druckfehler als תיקק כל נקודות.. Gewissenhaft druckten die späteren Herausgeber diesen falschen Titel nach, ihn populär machend. Bei den Kalendern war es nicht anders. Man übernahm die tradierten Fehler und druckte sie Jahr für Jahr mit. Dass die von unserem Zensor gerügten Druckfehler die Runde auch durch andre Kalender machten bezeugt Schudt ״Jüdische Merkwürdigkeiten“