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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1926-01-01 · XVII. (1926) · page 137

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
XVII. (1926)
Date
1926-01-01
Page
– (sequence 137)
Language
German
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IRI
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S2 Wir fügen hier ein Faksimile dieses kultur-historisch sicherlieh interessanten Kalenders bei, das uns eine Kontrolle der Beanstand ungen des Zensors gestattet und erkennen darin genau die (Im Original mit grüner Tinte) von ihm gemachten Striche unter den beanstandeten Worten. Kyck erhebt drei Hauptanklagen: 1) ״Allerheiligen“, 1. November (21. Cheschwan) wird hebräisch durch כל הקדישים statt כל הקדושים übersetzt, was allerdings einen üblen Sinn ergibt. 2) Die Frauentage (bezw. Jungfraueutage) werden durjeh .אשד angemerkt, wofür der Zensor בתולה erwartet hätte. 3) Die Aposteltage sind zum grössten Teil entstellt. Insbesondere ist der Johannistag als קאניז (canis)-tag bezeichnet, ״Hundstag“. Versuchen wir zunächst eine Erklärung für diese auffallenden Bezeichnungen zu finden, so darf von vornherein der Gedanke als ausgeschlossen gelten, als habe der Drucker mit bewusstem Vorsatz Beleidigungen der christl. Kirche im Auge gehabt. Man wird sich in jener, ohnedies von misswollenden Vorurteilen gegen die Juden erfüllten, Zeit wohl gehütet haben, vor der breitesten Öffentlichkeit sich solche Angriffspunkte zu geben und der jedesmaligen Zensur durch die Regierung zu unterbreiten. Nun im Einzelnen: Die Druckweise כל הקדישים wurde vielleicht durch die polnische Aussprache des 1 veranlasst, die tatsächlich hakkedeschim ergibt. — Die Bezeichnung ,אשד erfolgte offenbar ganz harmlos; ist doch der Ausdruck ״Frauentage“ gang und gäbe. ״Johannistag״, wird, wie der Zensor selbst bemerkt, im süddeutschen Idiom Kehannis, gewöhnlich sogar in der kontrahierten Form Kannistag, wiedergegeben. Der Zensor selbst kommt zum Schluss von seinem früher geäus8erten verdammenden Urteil zurück, gestehet auch in milderem Sinne zu, dass ״keine vorsätzliche Bosheit“ vorliege. Im vorjährigen (übrigens unserem Aktenfaszikel beiliegenden) Kalender (1721—22) habe z. B. richtig Johannistag gestanden. Er selbst erkennt, dass die zu beanstandenden Stellen einfach auf Satz- und Korrekturnachlässigkeit beruhen. Diese Nachlässigkeit bei einzelnen hebräischen Druckereien in Deutschland ist im 18. Jahrhundert nichts Aussergewöhnliches, besonders grade bei den

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