Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XVII. (1926)
- Date
- 1926-01-01
- Page
- – (sequence 132)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/3486266-3486307--6553-3492928- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
87 Was in vielen dieser Gedichte gelegentlich hervorbricht׳ davon wird dies Stück ganz und gar beherrscht: von der, Freude am ׳Wortspiel, genauer an dem gleichen Klang bei verschiedener Bedeutung. Es ist zum Verwundern, dass eine solche Künstelei nicht geschmackloser ausgefallen ist; man kann diesem Gedieht eine gewisse Grazie, ja an einigen Stellen sogar Schönheit nicht ab- Sprechen, Aber eben weil es nur konzentriert eine, Ejachßinnng zeigt, die in geringerer Konzentration^ Jehnda Ualevis und! der andern Spanier Dichtung überall durchzieht, 80 sei hier die Frage aufgeworfen, ,welches Verhältnis dieser Dichter zur Sprache einem für unser Gefühl so -uadichteriscben Verhalten, zugrundeliegt*״! Die Dichtung der Spanier ist recht eigentlich, was. man klassizistisch nennt. An ihrer Wiege sass -לdie Grammatik^ Im Gegensatz zu der Dichtung; Kalirs hat sie zuT ihrem Entstehen das Entstehen einer w issenschafttiehen Grammatik der; hebräischen Sprache abgewartet. Sie stellt rieh unter das Gesetz der. Sprach־ riehtigkeit. Von Kalirs stürmisch barockem Schalten mit den Möglichkeiten der Sprache, von diesem kühnep Schöpfertum* dem alles Sprachmögliche für erlaubt gilt, hat sie nichts. Sie erlaubt sich nur das Sprachwirkliche, nur das — in der Schrift Belegbare. Denn sowohl jenes Schöpfertum wie dieser Klassizismus 1|ind beide doch etwas sehr andres als sie in einerlebendiggesprocheneji Sprache wären. ,Die ״Schnit“, ,nicht die ״Sprache“ ist hier die Norm, die jene Kühnheiten überspringen und in die sich diese ,ehrfürchtige Scheu bannt. : Es sind also feste, picht -trie bei; einer mündlichen Sprache elastische Grenzen, die dort iibertreten^Jiier geachtet werden. : ׳ .׳ - Die ,Starrheit der Grenze» treibt ganz von selber einen viel barockeren Barock und einen viel klassizistischeren Klassizismus hervor, als er bei einer lebenden Sprache, wo jede Kühnheit doch gelegentliche Vorgänger hat und der Wille zur Ehrfurcht ein praktisch unbegrenztes Feld der Gelegenheiten, überhaupt möglich ist. Wer, wie die Spanier zum ehrfürchtigen Verharren innerhalb der Grenze entschlossen ist, wird den begrenzten Bereich, den er sein eigen nennt, durchpflügen, bis kein Fleckchen unfruchtbaren Bodens übrig ist. Das Mittel dazu ist die junge Wissenschaft der Grammatik. Sie ist ungeschieden zunächst von dem, was wir Lexikographie nennen würden. Ja sie fühlt sich selber in diesen Frühzeiten als