Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XVII. (1926)
- Date
- 1926-01-01
- Page
- – (sequence 100)
- Language
- German
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55 für die Sache einzusetzen1). Trotz alledem zog sich die Erledigung durch T dunkle Kräfte“ ungemein in die Länge. Nichtsdestoweniger konnte doch eine günstige Entschliessang seitens der massgebenden Faktoren in Salzburg und Wien nicht ausbleiben, und nach drei Jahren erfolgte denn auch im Jahre 1911 die volle Gewährung der Eingabe, die staatliche Errichtung einer israelitischen Kultusgemeinde für das Herzogtum Salzburg. Die erste telegrafische Nachricht hiervon gelangte vom Abgeordneten Dr. Sylvester nach Salzburg. Er gehörte überhaupt zu den verdienstvollsten Förderern der Angelegenheit. Der einstige sögenannte ״Judenfresser2״) verwandelte sich auch sonst im Verlaufe der Jahre immer mehr zu einem gerechten und sachlichen Beurteiler der Judenangelegenheiten3), was ihm freilich besonders mit Bezug auf sein Verhalten zur Sache der Kultusgemeinde-Errichtung manch hämische Glossierung eintrug4). Die staatliche Entsehliessung selbst erfolgte mit Verordnung des k. rk. Ministeriums für Kultus und Unterricht vom 22. Februar 1911 ZI.,4603 ex 1910 und wurde im ״Landesgesetz- und Verordnungsblatt für das Herzogtum Salzburg“ Stück X vom 11. März 19115) publiziert. Damit trat die neue Kultusgemeinde in Rechtskraft. Nach langen Kämpfen und Zurücksetzungen sahen nun endlich die Salzburger Juden ihre Bodenständigkeit in dem schönen Lande gesetzlich gewährleistet. In freudiger Genugtuung wurde darob der einhellige Beschluss gefasst, das für alle Zeiten denkwürdige Ereignis, als einen Markstein in der Geschichte der Juden in Salzburg, würdig und nach Gebühr zu feiern n. z. am 1. Juli des Jahres, an dem Tage, an welchem nach Paragraph 3 der hezüglichen Gesetzesverordnung die neue Kultusgemeinde in Wirksamkeit treten sollte. Vorher waren noch die in der Ministerial-Verordnung für die Konstituierung der Kultusgemeinde verfügten Vorarbeiten zu er- *) A. a. 0. 2) Die Salzburger Judenheit quittierte sein geändertes Verhalten damit, dass sie ihm anlässlich der Reichsratsahgeordneten-Wahl im Jahre 1012 heinahe geschlossen ihre Stimmen gab. *) Die klerikale Lokalpresse z. B. schrieb, dass ihm die Juden eigentlieh ein Monument im Tempel Vorgarten errichten müssten. 4) Siehe den Wortlaut im Auhang II Nr. 43. •) Mitteilung der Staatsgem. Vorstehung Salzb. a. l.Febr. 1012 ZI. 5342.