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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1926-01-01 · XVII. (1926) · page 86

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
XVII. (1926)
Date
1926-01-01
Page
– (sequence 86)
Language
German
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41 Veranlassung hiezu, teils aus Schüchternheit infolge der fortgesetzten antisemitischen Strömungen, teils aber auch aus Laxheit des Gemeinschaftssinnes, da bei der Verschiedenartigkeit der mitgebrachten heimischen Art der aus verschiedenen Gegenden Eingewanderten eher ein Auseinanderstreben der einzelnen als ein Zusammenschluss aufkommen konnte. Die notwendigen Erfordernisse für Kultus- und Armenzwecke brachte man auf dem Wege freiwilliger Spenden auf und unterliess es, sich an eine feste Kultus- Steuer oder sonst an ein Gemeindesystem zu binden. Die Juden lebten beinahe wie Fremde untereinander und \iele kannten sieh gegenseitig nicht einmal persönlich. In Linz a. d. D. bestand damals schon eine ansehnliche jüdische Gemeinde, die ganz Oberösterreich umfasste. Sie hatte seit dem 14. Oktober 1874 bereits ein behördlich genehmigtes Gemeindestatut und eine seit 12. April 1873 bestehende und seit 6. Juni desselben Jahres behördlich konzessionierte Chewra-Kadiseba. Wiewohl auch in Linz bezw. Oberöster* eich bis zum Jahre 1848 keine Juden wohnen durften, lebten doch schon im Jahre 1869 (laut Volkszählung vom 31. Dezember d. J.) 724 Juden, darunter 34 jüdische Soldaten, in Linz und Oberösterreich. . Wahrscheinlich durch Anregung jüdischerseits kam die Landesregierung in Salzburg, auf Grund eines Ministerialerlasses v. 6. November 1874, auf den Gedanken, die Salzburger Juden der Linzer jüd. Gemeinde zuzuweisen. Sie holte zu diesem Behufe Gutachten ein: 1) von der Stadtgemeinde Salzburg und 2) von Rabbiner Dr. Frank in Linz. Das letztere lautete natürlich für die Zuweisung, das erstere aber dagegen, da sich ,,einer der intelligentesten und eine vornehme Stellung einnehmender Jude“ (Albert Pollak oder Gottlieb Winkler?) im verneinenden Sinne ausgesprochen u. z. weil sich die Salzburger Juden, wiewohl entfernt, doch zu ihren Heimatgemeinden hingezogen fühlen. Die Landesregierung schloss sich dem Gutachten Franks an und empfiehlt mit Akt v. 18. I. 1875 die Zuweisung der Salzburger Juden der jüd. Gemeinde Linz dem Minister. Worauf eine Ministerialverordnung vom 27. Mai 1876 tatsächlich die Zuweisung ausspricht und die Salzburger Landesregierung zur Durchführung auffordert, was denn auch mit Dekret v. 23. VI. 1876 an alle zuständigen Stellen geschieht.

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