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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1926-01-01 · XVII. (1926) · page 84

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
XVII. (1926)
Date
1926-01-01
Page
– (sequence 84)
Language
German
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Koryphäen au! dem strittigen Gebiete der Jodentrage brachten, 86 ein Aufmunterungsschreiben des Supperintendenten und Beichsratsabgeordneten Dr. Theodor Haase, des bekannten Verfassers der Studie; ״Antisemitismus“1) und mehrerer anderer. Ein Salzburger Einsender rief aus: ״. ... ob man denn in Salzbarg ein neues Seitenstnck zur Firmian’sehen Protestanten-Hetze schaffen will und zu dem den Salzburgern beigegebenen Anhängsel der Dummheit auch noch das der Roheit und Ungastlichkeit zufhgen welle2). Noch einmal schrieb Schöpf (1888) einen ״Nachtrag zur Grandverwunderung“ mit dem Motto: ״Wer seinen Bruder hasset, ist ein Totschläger“, worinnen er die Leitmotive seiner Handlangeweise dartut und die pro- und contra-Wirkung seiner ersten Schrift schildert. Er schloss damit sein Einschreiten in der Judenfrage in Salzburg ab3). Langsam verebbten nun die Hochfluten der antisemitischen Bewegung, und nur noch in stiller Verhaltenheit wirkte der aufgestachelte Hass bei vielen in Salzburg nach, und kam bei mancherlei Gelegenheiten zum Vorschein. Gegen Ende der 90er Jahre regte sich in ganz Deutschland und Österreich neuerdings der alte Wahn vom Ritualmord wieder. Der Polnaer Ritualmordprozess wirbelte viel Staub auf und aller Orten suchten die Judenfeinde das Blutmärchen‘ für ihre Zwecke aufzufrischen. Das geschah auch in Salzburg4). Im April des Jahres 1899 wurde im Leichenhause des Zentralfriedhofes zu Salzbürg' die Leiche eines noch kindlichen Mädchens mit durcbschnittenem Halse aufgefunden. Die gerichtliche Untersuchung stellte einen Lustmord fest, der an dem armen Opfer verübt worden war. *) Wien-Teschen 1887. ף Vgl. Schöpf N. z. Gr. Verw. S. 8. 3) Interessant und wertvoll Ist was Dr. Schöpf in seinem ״Sendschreiben“ unter anderem berichtet: ״Unser berühmter Homilet, der Salzburger Ehrendomherr Emanuel Veith, ein geborener Jude, bat von der Domkanzel ans erklärt, dass die durch arge List verbreitete Lüge, als gebrauchten die Jaden bei der Feier ihres Osterfestes das Blut eines Christen, eine hämische, gotteslästerliche Vcrläumdung ist und weder in den Büchern des alten Bnndes noch auch in den Schriften des Talmud, den ich (Veith) genau kenne nnd eifrig durchforscht habe, enthalten ist.“ 4) Vgl. ״Neue Freie Presse* Wien vom 8. Mai 1899 und Dr. Blocks Oester. Wochenschrift Nr. 19 v. 12. Mai 1899.

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