Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XVII. (1926)
- Date
- 1926-01-01
- Page
- – (sequence 80)
- Language
- German
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35 Stadt geblieben; aber als Jude wäre ich nie zur Stellung eines Richters befördert worden. Deshalb nahm ich damals von Salzburg und der Rechfagelehrsamkeit Abschied.“ Ende der 80er Jahre des 19« Jahrhunderts setzte in Salzburg eine arge antisemitische Strömung ein und zog sich über die Zeit der 80er und 90er Jahre hin. Herzl erwähnt hierüber nichts direktes, aber, wie die angeführten Berichte ans seiner Salzburger Zeit beweisen, stand auch er unter dem Eindruck der herrschenden Mißstimmung gegen Juden und Judentum und zog hieraus die praktischen Folgerungen für sich. Bekanntlich empfing Herzl die Hauptanregung zur zionistischen Idee vom Antisemitismus seiner Zeit. Dass da der in Salzburg wahrgenommene Judenhass auf ihn raitwirkte oder gar der erste Anstoss zu seinem Werke war, darf wohl angenommen werden. Der Salzburger Antisemitismus der genannten Zeit war ein Produkt der damals in Deutschland aufgekommenen Stöcker’schen Judenhasspolitik, die in Österreich den alldeutschen Schönerianer-Bund zur Folge batte. Das der deutschen Grenze nahe gelegene Salzburg gab die erste Etappe für den Import der Stöcker’schen Ideen ab. Hier gründeten denn auch die Schönerianer eine der stärksten alldeutschen Ortsgruppen, vom nahen ״deutschen Vaterland“ immer neuen, belebenden Sukkurs erhaltend. Gründer und Führer des ״Bundes“ war Dr. Julius Sylvester1) ein junger ״auf eine Clientel-Gewinnung bedachter Advokat“, wie denn überhaupt der Kern der ganzen Truppe mehr aus jungen, unerfahrenen Hitzköpfen bestand2). Die Zusammen* künfte der Clique fanden in der Regel im ״Gasthaus zum Krebs״ in Salzburg statt3). Von da aus wurde nicht nur politisch über die Grenze hinübergeschielt und gegen Österreich geschürt, sondern mehr noch und vor allem Gift und Galle, Schmähung und Verleumdung gegen Stamm, Volk, Lehre und Leben der Juden in Wort und Schrift verbreitet. Es wurde sogar eine Art ״Katechismus des Antisemitismus“ ausgegeben, und Judenhass und Verfolgung in Form von Zitaten und Schlagworten zum Dogma erhoben. Mit 1J Vgl. weiter Kap. 3 die Wandlung der judenfeindliehen polit. Gesinnung Dr. Sylvesters. Ihm zur Seite standen besonders Karl K. Irresberger und Langgassner (vgl. Salzb. VolksbL Nr. 24 v. 30. I. 1888). 2) Dr. Schöpf, Nachtrag zur Grandverwunderung (Salzburg 1888) S.4—5. *) ebenda. 3•