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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1926-01-01 · XVII. (1926) · page 77

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
XVII. (1926)
Date
1926-01-01
Page
– (sequence 77)
Language
German
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32 lieh — was bei dem aus ganz kleinen Verhältnissen hervorgegangeneo Manne nicht weiter verwunderlich erscheint — hörte er doch keinen Augenblick auf, ein bewusster Jude zu bleiben, führte mit Überwindung grosser Beschaffungsschwierigkeiten einen rituellen Haushalt und hielt, nach seinen sehr weitherzigen Anschauungen, Sabbat und Festtag in Ehren. Durch Salzburg ziehende arme Juden fanden bei ihm stets eine offene Hand und manchem geplagten jüdischen Hausierer stand sein gastliches Haus offen. Sein Verbuüdensein mit dem Judentum bewies er besonders den jüdischen Gemeinden seiner Geburtsstadt Mattersdorf und der Stadt seiner Eltern-Ansässigkeit Kobersdorf. Bei seinen alljährlichen Besuchen in der Heimat pflegte er sich nicht nur den Juden dieser Orte zuzuwenden sondern er nahm sich überhaupt der Armen ohne Unterschied des Glaubens nach Kräften an, weshalb ihn auch die Stadtgemeindevertretung von Mattersdorf zum Ehrem bürger ernannte. So gut es aber auch Pollak in Salzburg ging, das Bewusstsein der Vereinsamung und Verlassenheit als einziger Jude im Lande bedrückte ihn. Wie es von Josef in der Schrift heisst: ״Meine Brüder suche ich“1) stieg auch in ihm der Wunsch und das Sehnen auf, mehr Glaubensgenossen um sich zu haben, und er suchte die Zahl der ansässigen Juden durch Heranziehung der eigenen Verwandschaft zu vermehren. So nahm er erst seine Schwester Amalie zu sich, dann liess er seinen älteren Bruder Ahron mit Familie nach Salzburg kommen, verschaffte ihm die Niederlassungsbewilligung und verhalf ihm zu einem Lebensunter־ halt2). In wenigen Jahren zogen diese noch weitere Familienmit־ gUeder nach sich; und nachdem nun einmal mit der Judennieder־ lassung begonnen war, kamen auch andere Juden, namentlich aus Böhmen, nach Salzburg und begannen, wenn auch unfer grossen Niederlassungs-Schwierigkeiten, Fuss zu fassen. Ausser den erwähnten Geschwistern Albert Pollaks und seinen weiteren nach Salzburg übersiedelten Angehörigen, wie Michael Süss, Rudolf Kohn3), die alle aus Ungarn kamen, waren ausser diesen die *) 1. B. M. 37,15. *) Dieser war anfangs ein Hausierhandel, später ein Trödlergeschäft, ״) Gatte seiner Schwester Amalie.

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