Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XVII. (1926)
- Date
- 1926-01-01
- Page
- – (sequence 75)
- Language
- German
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30 Dienste im Jahre 1862 des Kaisers Rock mit dem des zivilen Lehens vertauschen durfte und den Abschied in der Tasche hatte, stand es bei ihm fest, mit dem zurückgelegten bescheidenen Kapital einen Antiquitätenhandel in Salzburg zu eröffnen. Zuvor zog es ihn noch zu seinen Eltern und Geschwistern nach Ungarn. Nach der Rückkehr ging er alsbald an die Ausführung seines Planes. Schon war ein kleiner Laden gemietet und eine bescheidene Wohnung dazu, als Pollak eines späten Abends zum Bürgermeister der Landeshauptstadt, damals Dr. Ignatz Harrer, polizeilich zitiert wurde. ״Ich habe gehört“, fuhr ihn der Stadtgewaltige an, ״dass Sie sich hier niederiassen und ein Geschäft betreiben wollen, sogar auch schon Laden und Wohnung gemietet haben. Wissen Sie denn nicht, dass ein Jude in Salzburg eigentlich nicht einmal übernachten darf? Ihre Niederlassung kann nicht geduldet werden“1). Vergebens suchte Pollak sich mutig auf sein gutes Recht zu berufen, vergebens wies er auch auf seine in Salzburg dem Vaterland geleisteten laojährigen Dienste hin; der Bürgermeister verharrte auf seinem Standpunkt. So blieb denn dem ehrlichen, ausgedienten Krieger nichts anderes übrig, als sich für den Moment ins Unvermeidliche zu fügen und Salzburg zu verlassen. Mehrere Jahre blieb Pollak Salzburg fern. Der Drang nach der liebgewonneuen und für einen Lebensunterhalt alle Aussicht bietenden Stadt, liess dem strebsamen Manne jedoch keine Ruhe. Im Jahre 1867 kam er wieder nach Salzburg. Diesmal liess er jedoch einen Wegebner seinem neuerlichen Einzuge in Salzburg vorangehen, nämlich die Eingabe eines Niederlassungsgesuches auf dem Wege über sein zuständiges Militärergänzungs-Kommando an die Landesregierang zu Salzburg. Das Ansuchen, von der Militärbehörde befürwortet, blieb nicht ohne den gewünschten Erfolg. Wieder wurde Pollak zum Bürgermeister, zu dem der Landesregierungsbescheid gelangt war, zitiert, wo ihm die günstige Erledigung seines Einschreitens zur Kenntnis gebracht wurde. Der Bürgermeister konnte sich jedoch nicht enthalten dabei die Bemerkung zu machen: ״Sie sind der erste, aber auch der einzige und letzte Jude in Salzbürg“. Er behielt eben so wenig recht, wie einst Erzbischof Leonhard mit seiner Verbannungsformel: ״auf ewig!“ י) Albert Pollaks mündliche Mitteilungen,