Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XVII. (1926)
- Date
- 1926-01-01
- Page
- – (sequence 71)
- Language
- German
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26 Kilo schweigen die Akten in Salzburg bezeichnender Weise vollkommen über Juden und Judentum. Nur ein einziges Mal hören wir noch in dem langen Zeiträume von über 50 Jahren der Juden in Salzburg Erwähnung tun. Dies geschah im Revolutionsjahre anlässlich eines antisemitiscben'Pressevorkommnisses. Obwohl damals Salzburg ganz und gar das gewünschte ״Judenrein“ aufwies und gewiss keine ״Abwehr“ gegen die ״Judenüberwucherung“ — das Schrecknis aller Reaktionäre — vonnöten war, gefiel sich trotzdem der wackere Redakteur eines klerikalen Blattes in Salzbürg in dieser Rolle. Er druckte einen Artikel ab, der sich wesentlieh gegen die Arroganz und Überhebung mancher damaligen jüdischen Schriftsteller richtete, die sich angeblich in anstössiger und kritischer Weise mit der christlichen Religion beschäftigten. Dabei benutzte er die Gelegenheit, sich gegen das Judentum überhaupt zu kehren und zur Judenhetze aufzufordern. Auf dem alten Bischofstuhle sass aber damals ein hochsinniger und geistig hochstehender Mann — Kardinal Friedrich Fürst v. Schwarzenberg (1835—1850), dem Unduldsamkeit und Glaubenshetze ein Greuel waren. Er Hess den radaulustigen Redakteur zu sich rufen und richtete folgende Worte an ihn: ״Lassen Sie die Juden in Ruhe. Judenhetze ist die Vorläuferin oder Begleiterin einer jeden Revolution. Die Judenhetze verstösst geradezu gegen die Grundsätze unserer heiligen Religion und bringt niemals Segen, wie Sie aus der Geschiehte der Kreuzzüge wiesen. Ich bedauere zwar auch (das tat und tut auch jeder gute Jude. Anmerkung des Verfassers) die Arroganz und Überhebung gewisser jüdischer Schriftsteller und wünsche, dass sie unsere Religion in Ruhe lassen und die Duldung, die wir ihnen gönnen, auch uns gewähren. Aber für die Exzesse Einzelner darf nicht das Volk verantwortlich gemacht'werden. Niemals darf die Gegenwart verantwortlich gemacht werden für die Vergangenheit. Revanche ist ein heidnisches Wort. Merken Sie sich das!“1) Der also in die Schranken Gewiesene hat es sich zweifellos wohl gemerkt, zumal es fortgesetzt in Salzburg keinen praktischen Anlass gab, sich mit den Juden zu beschäftigen. Weder die Ereignisse der Revolution noch das Jahr 1850, das Salzburg die *) Wolfßgruber c.: ״Friedrich Kardinal Schwarzenberg“ I 176.