Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XVI. (1924)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- – (sequence 354)
- Language
- German
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316 schützte auch die Listen vor Verlust. — Das Mb. war ein heilig gehaltenes Besitztum der Gemeinde. Die alten Listen, wie sie vor der Einführung des Almemorgebetbuches üblich waren, gingen fast alle in Verlust oder schlummern als Raritäten und Kuriositäten in den Archiven. Wer weiss, ob uns die alten Märtyrerlisten seit 1096 erhalten geblieben wären, wenn nicht der Vorbeter Isak b. Sam. aus Meiningen (das. S. XIII) sie zum Bestandteil eines Almemor־ gebetbuches gemacht hätte. Denn der Totenkultus für sich hat niemals in deutschen Gemeinden so recht Fuss fassen können. .Was ist also ein Memorbuch? Es ist ein besonderer Gebetbuchtyp. So wie etwa der ,תיקון שלמד die Sabbatgabe, die Selichoth die Bussgebete, ליקוטי צבי Gelegenheitsgebete, die Haggada die Hausliturgie der ersten Fessachabende, das Machsor die Festgebete in sich vereinigen, so hat das Memorbuch die Aufgabe, die Almemorgehete in bequemer Weise zusammenzustellen. Es ist das individuellste Gebetbuch und das einzige in der Zeit des alle Minhagim ausgleichenden Buchdruckes, in dem die altenSonderfassungeri (נוסחאות) von Gebetstücken der betr. Gemeinde (Kranken-, Fürstengebete und viele andere) sich unverändert fortpflanzen und es ist durchaus kein absurder Gedanke, dass die eine oder andere Gemeinde dieses traditionelle Gemeindegebetbuch zum Gebrauch, und besonders zur Stabilisierung der Liturgie und der Listen, drucken lassen und etwaige Nekrolognachträge handschriftlich nachtragen sollte. Grade die wertvollsten Mbb. sind bereits oft bis zur Unbrauchbarkeit abgenutzt (abgegriffen, vergilbt). — Das Mb. ist eben das einzige Gebetbuch, das, trotzend der Erfindung der Buchdruckerkunst, sich handschriftlich weiter erhält 1). Allenfalls könnte man das Mb. auch als synagogale Agende für den Vorbeter oder auch als synagogales Kasualgebetbuch bezeichnen. Aber diese Bezeichnungen decken den Zweck nicht völlig. L. Memorbuch oder Almemorbuch? Die herkömmliche Bezeichnung ist ״Memorbuch“. Bei der Erwähnung des Buches pflegt sofort das darin verzeichnete Seelengedächtnis anfzutauchen. Es ist darum erklärlich, wenn man allgel) Ein einziges Parallelbeispiel ist bekannt. Die Gemeinde Floss hatte ihre eigene Selichothordnang. Die Selichoth standen bis zum Jahre 1843 hand־ schriftlich in Sonderbüchern. Erst im genannten Jahr wurden sie gedruckt. ,