Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XVI. (1924)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- – (sequence 343)
- Language
- German
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305 gehört sicher zu diesen1). Die Listen vermischten sich, wie man deutlich beobachten kann, miteinander und finden sich in geschlossenen Teilen in den einzelnen Mbb. stückweise wieder. Die An- Ordnung der Orte erfolgte oft in alfabetischer Folge. — Wir fühlten uns verpflichtet, trotz ihrer Eintönigkeit und trotz Raummangel, die Ortslisten wörtlich vorzuführen, weil sich grade aus ihnen die Geschichte der Mbb. am klarsten widerspiegelt. Würden die Ortslisten sämtlicher Mbb. veröffentlicht werden, so könnte sich deren Entwicklung81inie und Abhängigkeit von einander bis zu den Urmemorbüchern verfolgen lassen. Irgend welcher neuer historischer Gewinn ist aus dem Studium dieser Listen nicht zu erwarten. Allmählich schwand und verblasste die ursprüngliche historische Veranlassung für die Märtyrereinträge. Die geographische Kenntnis der Orte war in alten Zeiten noch nicht Allgemeingut. Es entstanden bei unverstandenen Namen neue Wortbildungen, die sich als solche weiter fortpflanzten. Die Schreiber schrieben andere.Mbb. ab; dann war der Anlass zu Verunstaltungen nicht so gross. Oft aber schrieben sie, besonders die Vorbeter, aus der Erinnerung an Listen, die sie in anderen Gemeinden gehört oder gelesen/Es war eine allgemeine Klangerinnerung geblieben. Aus unzähligen Beispielen einige. Nördlingen wurde seit alters נירלינגען geschrieben und wohl auch vielfach Nirlingen gelesen. Der Sulzbürger Schreiber hat den Lautklang Mirlingen im Ohr. Es erscheint anderwärts gleichzeitig מגענץ und סענץ für Mainz. Der Schreiber hatte an einem Ort Magenz, an einem anderen Ort Menz gehört und schrieb diese beiden, ihm unbekannten, Orte nieder. Aus Zürich wird צוירלינגן (Fulda) oder כיהלינג (Heidingsfeld; vgl. oben S. 273 n. I)2), aus Znaim נאיים (Marktbreit), aus Gailingen באלינגי oder גייליך, aus Salzburg Salzfurt (Bamberg); Thüringen (דיריננא) wird oft als Ort betrachtet und erscheint, nach Analogie von Saargemüud oder Georgensgemünd, auch als Thüringgemünd, vgl. auch Mb. Wallerstein oben S. 294 n. 1; האללא, das nach den Vorlagen Halle bedeutet, wird oft als das württembergische Hall angesehen; oder beide Orte erscheinen nebeneinander. In der Regel gelingt es durch Vergleichung verwandter Listen den ursprünglich gemeinten *) Wir verweisen hier auch auf die von Saifeld S. 77 gebrachte alte Metzer Liste von 1349. 2) Vgl. a. die wiederholte Bildung צורצך> das offenbar auch Zürich. Jahrbuch der J. L, 6. XVI. 20