Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XVI. (1924)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- – (sequence 267)
- Language
- German
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22§ und dergl., die Lehman/ für des Königs Rechnung bestellen und bezahlen musste. Der in diesen Abrechnungen aus dem Jahre 1697 aufgeführte Posten von 400000 Gulden ist, wie wohl angenommen werden mussj identisch mit der Summe, die August an den von Österreich unterstützten Gegenkandidaten Jakob Sobieski sich zu zahlen verpflichtet hatte1). Ein Teil der Gelder für die Königswahl entstammte auch dem Verkaufe der Erbvogtei Quedlinbürg nebst den Ämtern Lauenburg, tlevenburg und Gersdorff. Dieses Geschäft war gegen den Willen der Stiftspröbstin, Gräfin Königsmark, ehemaligen Maitresse des Kurfürsten, durch Behrend Lehman zu glücklichem Abschluss gebracht worden. Der Widerspruch der Gräfin, der sich dagegen richtete, dass ״ein Jude das Geschäft abgemacht hat“, und der weiter betonte, jedermann wundere *sich darüber, ״dass eine so wichtige Sache keinem geschickteren und geachteteren Mann als dem Monsieur Lehmann anvertraut wird,“ beweist nur, dass diese Angelegenheit in den Augen der Interessenten als recht bedeutungsvoll angesehen wurde. Die erzielte Kaufsumme von 340000 Talern wurde bei der Königswahl mitverwendet2). Wenn auch damit noch lange nicht die Genesis des dafür erforderlichen Betrages von 10,000.000 Gulden gezeigt ist, so ist doch die Beteiligung Behrend Lehman’s an dem Aufkommen der Summe evident. Wie lebhaft schon um diese Zeit Lehmans Beziehungen zum sächsischen Hofe gewesen sein müssen, geht deutlich aus dem von ihm mit dem Geheimen Kriegsrat Christian Dietrich Bose, dem Jüngeren, geführten Briefwechsel hervor. Bose, der zu den einflussreichsten, freilich auch intrigantesten Persönlichkeiten des sächsischen Hofes gehörte, war nicht nur selbst ein eifriger Kunde Lehmans, auf dessen Wohlwollen dieser ein starkes Gewicht legte, sondern auch die Mittelsperson, an welche Lehman sich gerne wandte, wenu er etwas bei Hofe durchsetzen wollte. Wenige Monate vor dem Verkaufe von Quedlinburg (September 1697) hatte 0 ״Des Residenten im Nieder-Sächsischen Kreise Behrend Lehmanns Forderung und die mit ihm gehaltene Abrechnung betr.“ Akten des Sächsischen Hauptstaatsarchivs: Cabinets-Canzley Loc No. 813c; Archivum tajne Augusta ll hersg. von Eduard Raczynski, Breslau 1843 I. S. 102. 2) Cramer: Denkwürdigkeiten der Gräfin Maria Aurora Königsmark usw. Leipzig 1846 I. S. 198/9, 203.