Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XVI. (1924)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- – (sequence 268)
- Language
- German
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Lehman einen, vielleicht auch für die Königswahl bestimmten Betrag von 436000 Gulden mit nicht unerheblichen Verlusten, wie er angibt, aufbriugen müssen. Solche nicht ungewöhnliche Schäden hielten ihn indesseu keineswegs ab, seinem Herrn auch weiterhin behilflich zu sein, und so vermittelte er Bose einen auf mehrere Monate berechneten Vorschuss von je 2000 Talern monatlich mit Hilfe von Wolf Goldschmidt in Amsterdam, nachdem sich die Be- Schaffung durch Leffmann Behrens in Hannover als untunlich erwiesen hatte1). Unablässig ist Lehman bemüht, neue Geldquellen zu erschliessen, um die Ansprüche seiner nicht gerade bescheidenen Auftraggeber befriedigen zu können. Oft ist er gärnicht imstande, diesen Anforderungen zu genügen. Er muss fremde Hilfe in Ansprach nehmen, Vorschüsse auf seine später fälligen Steuern an den Leipziger Magistrat zu Gunsten der kurfürstlichen Kasse erheben lassen, und sonst allerlei Auskunftsmittel ersinnen2). Schwierige Aufgaben harrten Lehmans in dem Verhängnisvollen Jahre 1700, in welchem Friedrich August den zweiten nordischen Krieg provozierte. Denn neben der Beschaffung von Geldern für die Privatbedürfnisse der grossen Herren handelte es sich jetzt um die Befriedigung der durch die Kriegsverhältnisse geschaffenen Ansprüche. Mit seinen Schwägern Jonas Meyer und Herschel sowie anderen lag ihm die Verproviantierung der polnischen Armeen, die Besorgung von Pferden, Schuhwerk und anderen Bedarfsartikeln des Heeres ob. Seine Berichte zeugen von den grossen Schwierigkeiten, die er dabei zu überwinden hatte, um die notwendigen Transaktionen durchzuführen. Er reiste über Posen Dach Warschau, von da nach Mitau und hielt sich dann einige Zeit im Lager vor Riga auf. August II. empfing ihn selbst und erteilte ihm dabei verschiedene Aufträge. Was Lehman über die Kriegsläge, namentlich über die Belagerung Rigas zu berichten weiss, ist nicht von sonderlicher Wichtigkeit. Seine Mitteilungen sind offenbar allzu rosig gefärbt und tragen einen mit den Tatsachen in Widerspruch stehenden Optimismus zur Schau. Denn bald darauf endete Augusts abenteuerliches Unternehmen mit der Nieder- 0 Sächsisches Hauptstaatsarchiv Bd. XIX Loc 30006 siehe Anl. I, *) Ibid.