Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XVI. (1924)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- – (sequence 266)
- Language
- German
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228 eine alberne Fabel, wenn ein anderer Zeitgenosse berichtet, dass lediglich die Partei des Prinzen Conti mit Bestechungen gearbeitet hätte, während diejenigen ״so auf des Reiches besten ihr Absehen gehabt haben den Churfürst von Sachsen gekieset, weil dessen Capacität, Reichthum und Macht die Sachen solchen Reichs allein erhalten kann...“1) Zweiffellos ist Friedrich August mit Hilfe reichlicher Geldmittel auf den polnischen Thron gelangt. Diesen Erfolg verdankt er vor allem der intensiven und geschickten Werbearbeit des Generalfeldmarschalljs Fleming, der keine Mühe und kein Geld scheute, um die Konkurrenten seines Herrn auszustechen. Fleming wusste auch die nötigen Geldquellen zu erschliessen, und es ist klar, dass ihm dabei in erster Linie Juden behilflich gewesen sind. Sie waren es, die während und nach der Wahlkampagne Gelder gegen Wechsel auf Dresden, Leipzig und Breslau liehen und immer wieder neue Wege zur Erlangung der vollen Kauf summe zu finden bemüht waren. Auch Behrend Lehman gehörte zu diesen Geldgebern. Obwohl die Höhe der von ihm geliehenen Gelder sich nur zum Teil feststellen lässt, so spricht doch schon der Umstand, dass er seit dem Jahre 1695 unter den Bankiers des sächsischen Hofes einen hervorragenden Platz einnahm, dafür, dass er einen sehr starken Anteil an dem Zustandekommen der Kaufsumme gehabt hat2). Vor allem ersehen wir aus den mit ihm später gehaltenen Abrechnungen, welch grosse Dienste Lehman dem sächsischen Hofe im allgemeinen, insbesondere aber zur Zeit der Königswahl erwiesen hat. Die von ihm geleisteten Vorschüsse waren sehr beträchtlich und gehen in die Millionen. Neben Gelddarlehen finden wir auch Warenlieferungen für die Armee und die Privat• bedürfnisse des Königs, insbesondere Anschaffung von Schmuck 9 Der Königlichen Polnischen Wahl Staats-Maxim oder Politisches Bedenken, was zu einem und anderen mahle bey sothaner Wahl ist practiciert worden. Gedruckt im Jahre 1697. 2) Histoire de la scission arriv6e en Pologne le XXVII juin MDCXCVII au sujet de l’election d’un roy. Par M. de La Bizadiöre A. Paris, Paris MDCC S. 127ff.; Jaroszewicz, Dzieje panowania Augusta II o smierci Jan. III. do! chwili wstapienia Karola XII na ziemie polska Posen 1856 S. 91 ff.; idem Dzieje panowania Augusta II od. wstapienia Karöla XII na ziemie polska az do elekcyi Stanislawa Leszczynskiego (1702—1704). Posen 1874 S. 25/6.