Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XVI. (1924)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- – (sequence 162)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3486266-3486309--6222-3492596- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
werden unter Hinweis auf eine Stelle im Kusari, in welcher die aramäische Sprache als ein verderbter hebräischer Dialekt לשון הקדש משובש bezeichnet wird, — hebräisch und aramäisch als zwei Mundarten einer Sprache erklärt (Resp. 127 ר״מ״אff.) Diese Frage ist umso schwieriger zu, lösen, als Maimuni selber unmittelbar, nachdem er erklärte, dass es im ganzen Volke Israel üblich sei, den Scheidebrief aramäisch zu schreiben1), in seinem Formular des Scheidebriefes sowohl das Datum wie den Satz והרי את מותרת לכל אדם in hebräischer Sprache wiedergibt {Jad chas. 4, 12). In Wirklichkeit ist unser Scheidebrief das Produkt einer mehr als tausendjährigen Entwickelung,' in welchem die Stimmen und Mundarten der Vorfahren aus verschiedenen Zeiten und Ländern laut werden. Er sollte und musste für alle Länder und Provinzen, die zur Zeit seiner Entstehung von Juden dicht bevölkert waren — also zur talmudischen Zeit Palästina, Babylonien und Ägypten — gültig sein; er sollte darum dem bei allen alten Urkunden erwähnten Grundsätze, בכל לשון של זכות geschrieben zu werden, entsprechen. Wann und in welchem Lande die von Maimonides erwähnte Sitte entstand, den Scheidebrief in aramäischer Sprache zu schreiben, wird sich kaum mehr feststellen lassen. Sicher ist, dass er in Palästina nicht nur in vorexilischer Zeit hebräisch geschrieben wurde — bis zum Jahre 700 v. u. Z. verstand das Volk nicht aramäisch (vgl. II Kön. 18, 26, 28; Jes. 36,11 und II Chron. 32,18) — sondern dass man noch in talmudischer Zeit mit Vorliebe hebräische Formulare gebraucht hat2). In der Provinz Judäa, insbesondere in Jerusalem war die Umgangssprache eines grossen Teiles der jüdischen Bevölkerung hebräisch. Man sprach ein mit Fremdwörtern durch״ letztes Hebräisch; man sprach die Sprache der Esterrolle, der Chronik, des Sirachbuches, etwas später die der Mischna. 0 וכבר נהגו כל עם ישראל לכתוב הגט בלשון ארמי Jad chas. Mich. Geruschin 4, 11. *)אני פלוני מגרש אתי אשתי je!־. Gittin 11, 3, 44b; אני היום נרשתיך Tosephta Gittin IX, 6. Bab. b. 172b. Dies ist die kürzeste Form, die .nach Abba Saul gültig ist. ln Palästina waren aber auch kürzere Formulare von zwei, drei Zeilen gebräuchlich (jer. Jeb. Ende).