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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1924-01-01 · XVI. (1924) · page 157

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
XVI. (1924)
Date
1924-01-01
Page
– (sequence 157)
Language
German
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Wir haben bei der Darlegung der einschlägigen Sätze aus der teleologischen Ethik gesehen, dass das soziale Gefühl und das soziale Verhalten dort seine Begründung erfährt in dem Bewusstsein meiner Zugehörigkeit zu dem Kollektivkörper der Gesamtheit, dass also heim sozialen Verhalten ein wenn auch noch so edel aufgefasstes egoistisches Interesse in der Seele mitbestimmend ist, dass ein egoistisches Gefühl mitschwingt. Solche Erwägungen sollen und müssen bei der Auffassung des Judentums vollständig ausgeschlossen sein. Wir müssen das Gute um seiner selbst willen tun, wir müssen die soziale Tat vollbringen, weil wir uns nach dem Beispiel Gottes richten, der von sich sagt: ״ מה אני בחנם אף אתם בחנםso wie ich es umsonst tue, sollt auch ihr es umsonst tun." Wir müssen denken an das Wort des Mischnahlehrers: ״Seid nicht wie die Knechte, die ihrem Herrn dienen in der Absicht, Lohn zu empfangen, sondern seid wie Diener, die ihrem Herrn dienen nicht in der Absicht, Lohn zu empfangen!" Alles^Edle und Gute sollen wir vollbringen nur ״ לשמהum seiner selbst willen." Dass das eine-edle und ideale Auffassung ist, ist nicht zu bezweifeln. Und auch davon ist noch zu sprechen: Seit Kants rationeller Ethik, deren Erhabenheit von niemandem geleugnet werden wird, von allen bewundert werden muss, die die Lehren der Sittlichkeit autonom gestaltet wissen will, d. h. die keine sittliche Gesetzgebung gelten lassen will, die von aussen kommt, nur diejenige anzuerkennen geneigt ist. die der autonome Menschengeist sich selber gibt, wird selbst die religiöse Ethik, die von Gott geboten ist, die also heteronom ist, von einem ausserhalb der menschlichen Seele waltenden Gesetzgeber aufgestellt ist, als weniger ideal und erhaben angesehen. Mit Unrecht, wie wir bereits gesehen haben. Denn die religiöse Ethik hat eine ewige und absolute Geltung. Sie erstreckt sich auf alle Menschen und auf alle Zeiten. Bei der teleologischen, rein philosophischen Ethik sind wir nicht sicher, an welchem Punkt der Menscbengeist sich die Grenze für sein soziales Verhalten anfrichtet. Aber noch aus einem anderen Gesichtspunkt vermögen wir dieser Anschauung entgegenzutreten. Die Forderungen der religiösen Ethik, Wahrheit, Gerechtigkeit, Liebe, also der Ausfluss des sozialen Empfindens, das uns in dem Vorbild Gottes zur Nachahmung dargestellt ist, lässt sich durchaus ver־.

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