Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XVI. (1924)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- – (sequence 158)
- Language
- German
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iäö imnftgemäss begründen. Auch der räsonierende Menschengeist könnte zu keinen anderen Ergebnissen bei seinem Nachdenken über ethische Fragen kommen. Indem also der Menschengeist diese Forderungen der religiösen Ethik vernunftgemäss durchdringt und die Verbindlichkeit derselben auch aus eigenen Erwägungen heraus anerkennt, wird auch die religiöse Ethik tatsächlich autonom. Es ist aber vom Standpunkt des Judentums kein Zweifel, dass umgekehrt die religiös gebotene Ethik vor der autonomen den Vorzug hat; denn ״ גדול יותר מצווה ועושה מאינו מצווה ועשהhöher steht wer eine sittliche Tat, eine Mizwoh tut, weil sie ein Gebot Gottes darstellt, als wer sie freiwillig aus sich heraus tut.“ Gegen die erstere kämpft die Selbstsucht mit grösserer Kraft an als gegen die letztere. Diese religiöse Ethik im Judentum mit ihrem sozialen Geist kennt keine Beschränkung hinsichtlich des Bekenntnisses, der Stammeszugehörigkeit, der Rasse und des Standes. Wer auch nur einen Funken von Wahrheit sich noch in seiner Seele bewahrt hat, muss diese Feststellung anerkennen, muss anerkennen, dass Israels Söhne und Töchter, wie es der soziale Geist des Judentums in Bibel und Talmud verlangt, sich freudig an allen das Glück der menschlichen Gesellschaft und des Vaterlands begründenden Werken wirksam beteiligen. Dieses Verhalten gibt ihnen auch die Hoffnung, dass doch noch einmal die Zeit kommen wird, in der Vorurteil und Hass schwinden werden und die Menschheit, geeinigt durch die Erfüllung der messianischen Hoffnungen, sich wieder als Kinder eines Vaters fühlen und als Geschwister in Liebe und treuer Fürsorge für einander zusammengeschlossen sein werden, die Zeit, in der Hass und Neid begraben sein werden und die Völker sich nicht mehr im Kriegführen üben werden, sondern Werke der sozialen Liebe und Gerechtigkeit auszuführen unausgesetzt bemüht sind. Darum sollen und dürfen wir uns trotz vielfachen Undankes, den wir erfahren, trotz mannigfacher und häufiger Verkennung, die wir zu verzeichnen haben, in der unausgesetzten Pflege und Betätigung dieses alle Menschen umschliessenden sozialen Geistes nie und nimmer beirren lassen. Es ist gar kein Zweifel, dass der soziale Geist im Judentum, der der soziale Geist schlechthin ist, den besten Wegweiser und Begründer für diese glückliche Zeit darstellt;