Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XVI. (1924)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- – (sequence 154)
- Language
- German
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116. Dieser Gemeinsinn muss sich nun vor allem auch darin zeigen, dass wir uns für die Arbeit der Gesamtheit zur Verfügung stellen und zwar aus selbstlosen Beweggründen, nicht aus Gründen des Vorteils, der Ehre und des Ehrgeizes: .,Und alle, die sich mit den Geschäften der Gemeinde befassen, sollen sich mit ihnen befassen im Namen des Himmels. Dann wird ihnen das Verdienst ihrer Väter beistehen, und ich rechne es ihnen an zu grossem Lohn, als ob sie es (das Ganze) selbst getan hätten,“ wie wohl sie doch nur eine früher begründete Arbeit zu einem Teil fortgeführt haben. Noch mehr als die Verantwortung für das irdische, für das körperliche Wohl, für das äussere Glück der Gesamtheit wiegt aber das Bewusstsein der Verantwortung für das geistige, das sittliehe Wohl der Menschheit, für ihre sittliche Bewährung und für ihr Bestehen vor dem Richterauge Gottes. Bei dem fünften Gebot, dem Gebot der Verehrung von Vater und Mutter, ist in der Bibel eine Verheissung beigefügt, die nicht individuell, sondern nur kollektiv, nur national aufgefasst sein will: ״damit sich deine Tage verlängern auf dem Erdboden, den Gott, ״dein Gott, dir gibt.“ Hier ist mit der Verehrung von Vater und Mutter das Glück der ganzen Nation, der Bestand des jüdischen Staates, der Volksgemeinschaft vei knüpft. In der moralischen Gesundheit der Familie ist das Glück und der Bestand des Volkes eingebettet. Auch hier liegt also eine Schärfung der Gewissen hinsichtlich eines moralischen Verhaltens vor. Selbst die natürliche Pflicht der Eltern Verehrung soll auch im Hinblick auf das Wohl der Gesamtheit ihre ideale Lösung finden. Negativ gewandt wird uns die Tatsache, dass wir durch ein unsittliches, ein unreligiöses Verhalten an dem Unglück der Gesamtheit schuld sind, durch folgendes Gleichnis im Namen des Rabbi Simon ben Jochai illustriert. Bei einer Seefahrt bemerken die Mitreisenden, wie ein Mann unter seinem Sitz ein Loch hineinbohrt in den Schiffskörper. Entsetzt fallen die Mitreisenden über ihn her und machen ihm bittere Vorwürfe. Er aber ruft gelassen aus: ״Was wollt ihr denn? Ich bohre ja nur an meinem Platze, der .mir gehört.“ Aber du wirst uns, Unglückseliger, mit ins Verderben ziehen, entgegnen die Bedrohten. Im Momente einer folgenschweren Tat, einer ernsten Ent- Schliessung, sagen darum die Weisen, möge jeder Mensch denken,