Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XVI. (1924)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- – (sequence 153)
- Language
- German
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;15 äürfnisse der zu ihiu betenden Menge wisse und für jeden sorge nach dessen Herzenswünschen. Dann aber fuhr er fort; ״Wie hilflos war doch der erste Mensch! Wollte er ein Stück Brot essen, •so musste er allein den Acker pflügen, musste säen, schneiden, dreschen, mahlen, backen usw. Und wollte er ein Kleid sich gönnen, so hatte er wiederum eine unendliche Kette von Einzelbetätigungen durchzuführen. Ich aber, sagte er weiter, werde von dieser Menge hier bedient und brauche mich nicht sonderlich zn bemühen/‘ Ben Soma erkannte das Glück der Arbeitsteilung in der menschlichen Gesellschaft an und bekannte freudigen Dankes voll das Glück, in der Gesamtheit zu leben. Es kann uns darum nicht wundern, dass uns immer und immer wieder der Satz eingeschärft wird: ״Trenne dich nicht von der Gemein de!“ oder ״wer sich von der Gemeinde trennt, nimmt auch nicht teil an dem Trost und dem Glück der Gemeinde.“ Die klare Erkenntnis dessen, was wir der Gemeinde verdanken, dass wir in einem Schuldverhältnis zur Gemeinde stehen, kommt denn auch in jener Schekelsteuer zum Ausdruck, die das Bewusstsein der religiösen und nationalen Zusammengehörigkeit widerspiegelt und darum in der Thora ״Sühnegeld, Auslösungsgeld der Seele“ genannt wird. Im Anschluss an das Wort der Thora, dass, wenn Israel in das heilige Land ein ziehen wird, das doch ein Land der höchsten Bodenkultur und des vegetabilischen Eeichtums war, es nicht vergessen solle, sofort Bäume anzupflanzen, wird der Gedanke im Talmud eingeschärft, dass wir mit dem Anpflanzen der Bäume nur eine Schuld abtragen gegenüber den Menschen der Vergangenheit, die für uns gesorgt haben, an die Menschen der Zukunft. Nicht nur die Menscheit der Gegenwart ist ein Kollektivkörper, sondern die Menschen aller Zeiten haben wir als zu einem Kollektivkörper vereinigt uns vorzustellen. Diesen Gedanken trug ein jüdischer Greis dem Kaiser Hadrian .vor, als dieser auf einem Kriegszug durch Palästina kam und den Alten Bäume pflanzend antraf. Hadrian fragte ihn verwundert, wie es komme, dass er sich mit dieser Arbeit plage, von der er doch bei seinem hohen Alter keinen Gewinn mehr zu erzielen hoffen dürfe. Der wackere Greis aber spricht: So wie die Früheren sich für mich gemüht haben, so will auch ich mich für die späteren Geschlechter bemühen. 8*