Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XVI. (1924)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- – (sequence 150)
- Language
- German
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112 Auch hier lehrt uns der hebräische Sprachgeist wichtige Dinge. Die Arbeit heisst im Hebräischen מלאך .מלאכה ist der Engel, der Sendbote Gottes. מלאכה ist demgemäss eine Engelsmission, die der Mensch, die der Arbeiter mit seiner Arbeit ausführt. Wie himmelweit ist die Auffassung der Arbeit im Judentum demgemäss emporgehoben gegenüber der Auffassung der Römer, die sie labor nennen, ein Wort, das ausserdem Schmerz und Mühe, Qual und Leid bezeichnet! Oder über die Anschauung der Griechen, bei denen nur die Sklaven arbeiten mussten, da die Arbeit als des freien Mannes unwürdig galt! Selbst Plato in seiner ,,Republik“ ist von dieser engherzigen, die Arbeit gering schätzenden Anschauuog erfüllt; er verachtet die Handarbeit, überweist sie dem Sklaven. Der Hebräer nennt die Arbeit עבודה, vor allem die Bodenarbeit. עבודה bedeutet aber auch gleichzeitig den Gottesdienst. Einen Gottesdienst übt der Mensch mit seiner Arbeit aus. Den Handwerker nennt der Hebräer אומן und das Handwerk .אומנות אומן heisst aber der ״zuverlässige“, der treu bewährte Mann, der. Mann der Wahrheit, der Treue, der Festigkeit, der Zuverlässigkeit. Welcher Antrieb zu ehrlicher, sachgemässer Arbeit lag auch hier schon in dem Namen, in der Bezeichnung des Handwerks. Wir haben bereits gehört, wie am Versöhnungstag des 50. Jahres, dos Jubeljahrs, Jesaia ganz besonders rügt, dass seine Zeitgenossen alle ihre Arbeiter bedriiöken und gegen den sozialen Hauptgründsatz des Judentums ,,Leben und leben lassen“ verstossen♦ Welche Rechte hat denn der Arbeiter im Judentum? Er ist bis zu einem gewissen Grad Mitbesitzer der Produkte, an denen er seine Arbeit vollzieht. Dies gilt sowohl von der Feldarbeit wie von der handwerksmässigen, kunstmässigen Verarbeitung und Veredelung der Rohprodukte. In erster Beziehung heist es in der Thora: ״Wenn du eintrittst in den Weinberg deines Nächsten, so darfst du (während der Arbeit) Trauben nach Lust essen.“ Nur darfst du (ohne besondere Erlaubnis) keine Trauben in deine Geräte tun und mit nach Hause nehmen. ״Und wenn du eintrittst in das stehende Getreide deines Nächsten, so darfst du dir Aehrenspitzen abreissen und sie gemessen“; nur mit der Sichel darfst du nicht Aehren abschneiden, um sie mit nach Hause zu nehmen. Und im anderen Betracht lehrt die Mischnah und der Talmud: אומן קונה בשבח כלי